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Filix - Amaurose

Ein 30jähriger Mann erblindete, nachdem er 12 Tage lang täglich 3 Gramm Extractum filicis aethereum eingenommen hatte. Die ersten Schmerzempfindungen zeigten sich am 9. Tage, die Erblindung trat innerhalb 24 Stunden ein. Papillen blau und atrophisch, die Erblindung war eine vollkommene. Dieser gerichtlich-medizinisch noch nicht beobachtete Fall gab den beiden Autoren Anlass zu einer Prüfung der Wirkung des Farrenkraut-Extraktes auf das Sehvermögen.

Reinlein hat 1812 darauf aufmerksam gemacht, dass der Verbrauch einer starken Menge dieses Extrakts Erschöpfungszustände einleitet, aber erst seit 1881 sind mehrere Arbeiten darüber erschienen. Unter den 43 Vergiftungsfällen, welche die Autoren zusammentragen, finden sich 25 Fälle mit Augenerscheinungen 58%, 14 Amaurosen von denen nur 21 geheilt wurden = 32%, 8mal Amblyopie = 18%, 2mal Erweiterung der Pupillen und 1mal Verengerung derselben.

Unter diesen 43 Fällen war 10mal das Mittel mehrere Tage hinter einander gebraucht worden, und in allen diesen 10 Fällen zeigten sich Vergiftungserscheinungen mit Augensymptomen.

Die Mehrzahl der Personen, welche Filix einbekamen, waren geschwächte Kranke mit Anchylostomen. Da solche geschwächte Kranke Intoxikationserscheinungen leichter zugänglich sind, halten sich die Verfasser für berechtigt, die Filix-Amblyopie und -Amaurose den Tabakvergriftungen gleichzustellen.

Experimentell haben sie Hunde und Kaninchen mit Farrenkrautextrakt vergiftet. Unter 14 Versuchen bei Hunden hatten sie 5mal Amaurose, 2mal bleibend und 3mal vorübergehend, bei den Kaninchen war eine Amaurose nicht zu erzielen. Auffallend war, dass nicht bei jedem Versuchsthiere die Amaurose zu Stande kam auch wenn die dargereichte Menge und die anderen Erscheinungen einem anderen mit Amaurose verlaufenen Falle gleich waren; es erblindeten nur junge und schwächliche Thiere. Ein Hund, der eine vorübergehende Amaurose durch die Vergiftung erhielt, wurde bei der zweiten, mit einer noch grösseren Menge erzielten Vergiftung nicht wieder blind. Die Autoren schliessen mit der Folgerung, dass Amaurosen-Amblyopie bei Filixvergiftung auftreten kann, dass dies in einem ungefähren Prozentsatz von 30-35% geschieht, dass dazu eine geringere Widerstandsfähigkeit nothwendig ist und dass eine täglich wiederholte Gabe sicherer Vergiftungserscheinungen herbeiführt als eine grosse Gabe.

Prof. Katayarna und Dr. Okamoto, Studien über die FilixAmaurose und - Amblyopie. Vierteljahrsschr. f. pr. Med. VIII. Suppl. 148.

 

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Dieser Artikel erschien als Besprechung im Archiv für Homöopathie; Dr. Alexander Villers; Band IV; Dresden, 1895

 

[Kommentar: Davon abgesehen, daß die Autoren Schwierigkeiten mit den Prozentzahlen haben, liefert der Artikel Hinweise auf Augensymptome, die von Homöopathen bisher noch nicht beobachtet wurden.]

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