Lac caninum
Milch der Hündln.
I. Chemischer Teil.
II. Symptome und klinische
Hinweise.
Reisig (New-York), Bayard, Swan und
Berridge sind die Väter dieses Mittels in der
Homöopathie. Swans Potenzen sind hergestellt
aus Reisigs 17ter. Die Prüfungen sind gemacht
mit der 30ten und höheren und in einem kleinen
Bande von Swan und Berridge veröffentlicht.
Diese selbst habe ich nicht zur Hand gehabt; in den
Werken von Allen, Hale, Cowperthwaite, in der
Cyclopaedia fehlt das Mittel; ich habe es, auch
trotz der Reserve, mit der Farrington es kurz
erwähnt, nach Clarke und Kent bearbeitet, da
klinische Erfahrung mir seinen grossen Wert
bestätigte; ich habe mich bemüht, die
ganz in die klinischen Erfahrungen
hineingearbeiteten Prüfungssymptome bei Clarke
von diesen ZU
sondern.
1. Seelische
Symptome.
Halluzinationen von Schlangen. Kann
nicht ertragen, dass ein Teil ihres Körpers
den anderen berührt, ein Finger den andern.
< Traut ihren eigenen Worten nicht. Es
fällt ihr schwer, schwierigere Sachen zu
lesen. Beim Sprechen braucht sie den Namen des
Gesehenen für das, was sie denkt, glaubt, sie
hat die Nase eines andern. Beim Schreiben braucht
sie zu viele oder nicht die richtigen Worte. Sehr
nervös. Gedanken abwesend. Kann keinen
Augenblick allein sein. Furcht, schwer krank zu
sein, die Treppe herabzufallen. Weint viel.
Niedergeschlagenheit. Ängstlichkeit. Zornig.
Erregt.
Klinische Anwendung: die
nervösen Symptome begleiten verschiedene
Erkrankungen anderer Organe. Das Fingersymptom fand
sich bei einem nervösen Halsleiden, das
Nasensymptom bei Diphtherie, die Furcht, allein zu
sein, ebenfalls. Die Sucht, zu weinen bei Metritis.
Die Furcht, eine schwere Krankheit zu haben bei
Menorrhagie. Wirksam bei Hysterie und anderen
nervösen Leiden der Frauen.
2.
Nervensystem.
Schmerz im rechten Ischladicus
seiner ganzen Länge nach, Schlaf und Ruhe
hindernd. Krämpfe in den Füssen. Taubheit
und Lähmigkeitsgefühl an der Innenseite
beider Knieen, in beide kleine Zehen
ausstrahlend.
Klinische Anwendung: Ischias.
Lahmheit des rechten Beins nach Abort. Bein taub
und steif, kann es nicht ruhig halten, > beim
Beugen an den Bauch.
3. Schlaf und
Träume.
Schlafsucht. Kann keine angenehme
Lage im Bett finden. Schlief spät ein, starker
Schweiss während des Schlafes, fieberig in der
Nacht. Spricht und schreit im Schlaf. Träumt,
eine grosse Schlange wäre im Bett;
träumt, dass sie harnt, beim Erwachen findet
sie, dass sie grade damit anfangen will. Liegt
nachts mit dem linken Bein gegen das Becken
gezogen, ruhelos.
Klinische Anwendung.
Begleiterscheinungen bei Diphtherie und
Tonsillitis; die Krümmung des Beins bei
Ovarialgie.
4. Fieber und
fieberartige Erscheinungen.
Frost; innerlicher Frost mit
äusserer Wärme; Frost den Rücken
herunter mit eisig kalten Händen, > nach
einem reichlichen Essen. Fieber und Frost mehrere
Tage. Heftiges Fieber morgens mit reichlichem
Schweiss. Erschöpfender Schweiss nach dem
Schlaf. Nachts Aufwachen mit kaltem Schweiss mit
furchtsamem Vorausahnen. Schweiss mit starkem
Geruch. Haut trocken und heiss.
Klinische Anwendung: Metritis mit
ängstlichem Schweiss. Diphtherie. Rheumatismus
mit stinkendem Schweiss.
5. Haut.
Gefühl kriechender Insekten
auf Nacken, Schultern, Händen.
Herpesähnlicher Ausschlag in beiden
Achselhöhlen mit leichten braunen Krusten,
dann Schmerz in den Labien, schliesslich
Scheidenblutung. Krusten, darunter gelbgrauer
Eiter. Haut leicht wund nach Kratzen. Haut
ichthyosisähnlich. Glänzend rote
Geschwüre auf den Schienbeinen.
Ecthymaähnlich auf dem rechten Unterschenkel.
Rötlicher Schweiss, stinkender Schweiss in den
Achselhöhlen.
6. Knochen und
Gelenke.
Schmerzen in Gliedmassen und
Rücken. Rheumatismus von den Sohlen zu Gelenk
und Gelenk und Seite zu Seite, < abends, bei
Bewegung und Berührung.
Klinische Anwendung:
Rheumatismus.
7. Drüsen.
Drüsen in der linken
Achselgrube geschwollen, hart, eiternd. Regel zu
derselben Zeit.
8. Kopf.
Geräusche < nachts viel,
< zur Zeit der Regel. Gefühl, als ob das
Gehör abwechselnd zusammengedrückt und
wieder losgelassen würde, besonders im
Niederlegen. Kopfhaut empfindlich, juckt, <
nachts. Wunde Flecken auf der Kopfhaut, welche ab.
sondern und eine Kruste bilden, besonders
empfindlich bei Berührung und beim
Kämmen.
Kopfschmerz: < bei Geräusch
oder Sprechen, > in der Ruhe; > durch kaltes
Wasser auf kurze Zeit. In der linken Seite des
Hinterkopfes, beim Bewegen nach oben sich
ausbreitend. Steifheit im Hinterkopf beim Drehen
des Kopfes mit Wundheitsgefühl beim
Berühren. Schmerzen bald auf der einen, bald
auf der andern Seite, zuerst > beim Gehen in die
frische Luft aber bald <; auf der linken Seite.
Im obern Teil des Vorderkopfe 13 mit dem
Gefühl eines fest angelegten Bandes von einer
Schläfe zur andern. Beim Gehen in kaltem Wind
schrecklicher Schmerz im Vorderkopf, als ob er
bersten wolle > beim Betreten des warmen Zimmers
über beiden Augen. Erst auf der einen Seite,
dann auf der andern des Vorderkopfes. In der
rechten Schläfe scharfer Schmerz. In der
rechten Schläfe und rechtem Auge mit Druck auf
den Scheitel während der Regel. Schmerz erst
auf der linken Seite, dann rechts besonders
über dem linken Auge. Über dem linken
Auge beim Beginn zu gehen und heftiger Schmerz im
Becken, besonders im rechten Ovarium. Heftiger,
schiessender Schmerz im Zickzack von der rechten
Seite des Vorderkopfes zu einem unbestimmten Punkte
des Hinterhauptes, legt sich sofort hin, was sie
auch tut aus grosser Angst vor dem Schmerz,
trotzdem er nicht heftig ist. Drücken auf den
Scheitel und über den Augen einen Tag vor dem
Aufhören der Regel.
Klinische Anwendung: Kopfschmerz.
Metritis mit Geräuschen.
9. Auge und
Sehen.
Schwere der oberen Augenlider; mit
Schmerzen über, Brennen im linken Auge,
Augenlider kleben zusammen. Augen geschwollen,
Katarrh, Thränen. Prickeln in den
Augäpfeln, Empfindlichkeit gegen Kälte.
Schmerzen in den Augen bei Anstrengung derselben,
beim Lesen mit der Empfindung eines Häutchens
davor, welches zum Sehen erst fortgewischt werden
muss.
Sehen: Festhalten der
Gesichtseindrücke, auch so, dass der
letztgesehene Gegenstand in den nächsten
projiziert wird. Bewegliche Scheiben mit einfachen
Farben. Beim Lesen erscheint das Papier mit
verschiedenfarbigen Flecken bedeckt. In oder
ausserhalb der Sehachse erscheint ein Gegenstand
durch das Gesichtsfeld gleitend, wie eine Katze
oder Vogel auf dem Boden oder in der Luft.
10. Ohr und
Gehör.
Schmerzen im Mittelohr im Wind,
besser bei Bedecken mit der Hand; in der Nacht im
äussern und Mittelohr der Seite, auf der sie
liegt, verschwindet, wenn der Druck
aufhört.
Ohrgeräusche. Stimme klingt
wieder, wie vom Sprechen in einem grossen leeren
Raum mit Schmerzen erst über dem einen, dann
über dem andern Auge.
Klinische Anwendung: Sehr
gerühmt gegen Taubheit bei hereditärer
Syphilis.
11. Nase und
Geruch.
Vollheit in Nase und Rachen;
nachher dünner und müdmachender Ausfluss;
nach diesem Trockenheitsgefühl. Wundheit.
Nasenlöcher wechselweise verstopft mit
dünnem, blutigem Schleim. Alle Getränke
kommen durch die Nase zurück. Geruch schlecht;
Blumengeruch unerträglich.
Klinische Anwendung: Diphtherie.
Ozaena.
12. Angesicht.
Gerötet, brennt; blass.
Schmerzen vom linken Jochbein zum Scheitel. Lippen
trocken. Kiefern knacken beim Essen.
13. Mund und
Mundhöhle.
Trockenheit. Schleim < in der
freien Luft und beim Essen; Speichel läuft im
Schlaf aus dem Mund. Mund und Rachen bedeckt mit
gelblich weissen, leicht blutenden, aphthösen
Geschwüren. Innenseite der Uuterlippe
empfindlich wund gerötet. Zunge
schmutzigbraun, nur an den Ecken rot. Geschmack
faulig. Schwellung der linken Sublingualdrüse.
Atem stinkend. Sprechen erschwert, nasal. Linke
obere Backzähne schmerzen. Zähne
empfindlich gegen kaltes Wasser. Zahnfleisch
geschwollen, wund, blutend, Zähne sind
lose.
Klinische Anwendung: Diphtherie.
Nervöse Rachenaffektionen.
14. Schlund und
Hals.
Rachen wund, trocken, tief
gerötet auf jeder Seite des Rachens den
Tonsillen gegenüber; heftige Kopfschmerzen.
Mandeleiterung, die Seiten wechselnd. Rachen wund
vom Beginn bis Ende der Periode.
Fremdkörpergefühl im Halse, beim
Schlucken zunächst herunterrutschend, bald
mehr rechts, bald mehr links. Fortwährendes
Bedürfnis zu schlucken mit Schmerzen bis zum
rechten Ohr. Kitzeln und Zusammenschnüren im
oberen Teil des Rachens mit andauerndem trockenem,
backendem Husten.
Klinische Anwendung: Sehr
gerühmt bei verschieden. artigen akuten und
chronischen Rachenaffektionen; besonders bei
Diphtherie, auch Croup. Bezeichnend der Beginn auf
der rechten Seite nach links hinüberziehend,
bezw. Wechsel der Seite und die weisse,
silberartige Farbe der Membranen (Kent).
15. Magen.
Appetit vermehrt; nach Pikantem
Durst. Verlangt viel Milch. Verabscheut
Süsses. Kein Appetit. Übelkeit morgens,
nachmittags 5 Uhr beim Zigarrenrauchen mit heftigem
Magenschmerz; Abgang von Winden >
Leerheitsgefühl, Brennen im Epigastrium mit
Schmerzgefühl.
16. Bauch.
Bauch geschwollen und empfindlich
gegen tiefen Druck mit Übelkeit, die
aufhört, wenn der Druck aufhört. Bauch
und Brust wie fest zusammengeschraubt, Haut wie
zusammengezogen. Bauch sehr empfindlich gegen
Druck, auch der Kleider, > nach Entfernung
derselben während sehr starker Periode.
Empfindung während des Gehens, als ob der
Bauch bersten wollte. Druck von innen nach aussen,
als ob der Bauchinhalt herausgepresst würde,
gerade über dem Becken. Schmerzen in der
rechten Beckenseite, während in der linken
kein Schmerz; in der linken Bauch- und Beckenseite
Schmerz und Brennen mit Schwere und Ziehen, Kleider
scheinen zu schwer. Ziehen in der linken Seite,
Ruhen und Gehen <, Hinaufziehen der Beine gegen
den Bauch >, Stuhl >. Schmerzen, besonders
in der rechten Ovarialgegend; mit
Kopfschmerz.
17. Mastdarm und
After.
18. Stuhl.
Häufiger Stuhldrang in allen
Prüfungen. Tenesmus bei weichem Stuhl, der am
Mastdarm festklebt wegen Schwäche desselben.
Verstopfung bei Stuhldrang, Abgehen von Wind, aber
nur wenigen harten Knollen mit Rollen im Bauche;
vor und nach der Periode, während derselben
weicherStuhl. Durchfall wässrig,
plötzlich mit heftigen Schmerzen.
19.
Harnwerkzeuge.
Dysurie. Harndrang, nach dem Harnen
noch Vollheitsgefühl in der Blase und Drang;
wenn nicht sofort befriedigt, Schmerz in der Blase,
wenn nicht darnach >, Schmerz bis in den Bauch
und die linke Seite der Finger ausstrahlend;
erwacht nachts durch Träumen von dem Schmerz,
harnt um ihn zu >. Fortwährend Drang mit
massenhaftem Harnen; nachts wacht sie durch
Träume vom Harnen auf, muss es sofort, eine
weniger gesunde Person würde das Bett
genässt haben.
Klinische Anwendung:
Bettnässen.
20.
Geschlechtswerkzeuge.
a) Männliche:
Geschlechtslust ausgeprägt.
Rechter Samenstrang druckempfindlich.
b) Weibliche.
Regel: Sparsam mit Schmerz im
linken Eierstock . Sparsam, am ersten Tage sehr
gereizt und ungeduldig, am 2. Tage heftige
Schmerzen in der Gegend der Gebärmutter mit
Übelkeit, bisweilen Schmerzen in der Gegend
des linken Eierstocks bis zur Hälfte des
Oberschenkels, alles > durch
Rückwärtslehnen, Schmerzen in der rechten
Lumbargegend beim Vorwärtsüberbeugen.
Reichlich, Bauch sehr empfindlich gegen Druck, auch
der Kleider. Strähnig.
Dysmenorrhö-Schmerzen in der linken
Leistenbeuge mit Abwärtsdrängen.
Vulva: Drücken im vordern
Teil, > im Sitzen mit Abwärtsdrängen,
Urindrang und Stechen in der Harnröhre.
Jucken, mit Rohheit in der Scheide, scharfem
Weissfluss. Schmerzhafte Wundheit bis zum After,
plötzlich nachmittags, dann besser, gegen
Abend wieder, kann nicht gehen, stehen und sitzen,
> beim Liegen auf dem Rücken und
Auseinanderbiegen der Beine somit unmöglich.
Zwischen Labien und Beinen wunde, stinkende
Stellen.
Geschlechtsteile sehr gereizt, <
von der leichtesten Berührung der Brust oder
der Vulva beim Sitzen oder Gehen. Urinieren macht
heftigen Schmerz in der Vulva, wenn sie auch nur
ganz wenig Urin berührt.
Heftige Schmerzen in der Gegend des
rechten Eierstocks, völlig verschwindend nach
Erguss von hellrotem Blut von einstündiger
Dauer (öfter). Schmerz in der Gegend des
linken Eierstocks und durch den unteren Teil des
Leibes.
Weissfluss am Tage.
Klinische Anwendung:
Dysmenorrhöe membranacea. Nachwehen.
Gonorrhö. Oophoritis rechts, > nach
Blutabgang.
21.
Atmungswerkzeuge.
Heiserkeit. Wundheit bei
Berührung des Larynx. Husten vom Kitzel im
oberen Teil des Kehlkopfs, < beim Sprechen und
Liegen; vom Kitzel unter der Mitte des Sternum.
Husten mit Schmerz und Druck. Atemnot im Liegen,
muss aufspringen.
Klinische Anwendung: Pharyngitis,
Diphtherie.
22. Brust.
Schmerzen erst links, dann rechts.
Lunge wie fest in der Brust. Schmerz in der rechten
Lunge unter der Warze, vorher Schmerz in der
Herzgrube, wie von einem Stein oder unverdauter
Nahrung. Druck und Engigkeit hinter dem Sternum mit
Neigung zum tiefen Atmen.
Brüste: Wundheitsgefühl
und druckempfindlich während der Regel.
Andauernder Schmerz in den Brüsten,
Wundheitsgefühl beim Treppensteigen.
Brüste erscheinen sehr voll. Schmerzen in den
Warzen. In den Brüsten wie harte Knoten zu
fühlen.
Klinische Anwendung: Rheumatismus.
Galactorrhö, vertreibt die Milch (viele
Fälle). Mastitis. Brüste und Rachen wie
wund während der Periode.
23. Kreislauf.
Herzpalpitation.
24. Nacken und
Rücken.
Nacken steif. Scharfer,
neuralgischer Schmerz unter dem rechten
Schulterblattt. Lahmheit, schneidender Schmerz
unter dem linken Schulterblatt, < beim Umdrehen
im Bett, vorwärts durch die Lunge schiessend.
Rückenschmerz zwischen den
Schulterblättern, in der Wärme, etwas
> beim Rückwärtslehnen. Kreuzschmerz,
beim Reiten. Schmerz, < beim Stossen, > beim
Biegen nach rückwärts mit Schwäche
vom Becken um die linke Seite des Beckens, nachher
blutige Leucorrhoe und Empfindlichkeit der Labien.
Rückenmark schmerzt von der Basis des Gehirns
bis zum Coccyx.
Klinische Anwendung: Rheumatismus,
neuralgischer Kopfschmerz, Diphtherie,
Pharyngitis.
25.
Gliedmassen.
Obere Gliedmassen. Schmerzen vom
Arm bis in die Finger mit Krampf in letzteren, Hand
machtlos; linker Arm bis in den Ellenbogen.
Schmerzen in der vorderen Schulter, kann den Arm
nicht heben. Schmerzen in den Handgelenken,
Lähmigkeitsgefühl, mit scharfen Schmerzen
vom Daumen zum kleinen Finger. Nachts Erwachen mit
Frost, mit Schmerzen in der linken Hand, linker Arm
wie eingeschlafen. Schmerzen im vorderen
Daumenballen.
Zittern der linken Hand wie bei
der Paralysis agitans. Handfläche und
Fusssohlen brennen.
Untere Gliedmassen. Steifigkeit,
< beim Aufstehen. Rbeumatische Schmerzen im
linken Oberschenkel und den Ischiadicus entlang,
wandernde Schmerzen im Nacken mit Steifheit, die
Schultern schmerzen; in der rechten Hüfte und
Oberschenkel, Zittern im letzteren, Unsicherheit.
Schiessende Schmerzen in Hüfte und Knie
rechts, am nächsten Tage links, dann wieder
rechts, < bei der kleinsten Bewegung nachts, vom
Druck der Bettdecke. Taube Schmerzen, besonders in
den Knöcheln, < in der Ruhe mit
Anschwellung, > durch Hitze.
Klinische Anwendung: Rheumatismus
von der einen auf die andere Seite springend.
Metritis mit Schmerzen in den Beinen.
26. Nähere
Umstände.
Verschlimmerung: Nachts Symptome im
allgemeinen. Kalter Wind, kalte Luft. Bewegung,
Strecken, Berührung, nach dem Schlaf.
Müdheit zwischen Labien und Oberschenkel durch
Gehen.
Treppensteigen verursacht Schmerzen
im Herzen; Gehen Weissfluss.
Besserung: Wärme; Beugen; Ruhe
und Niederlegen.
III. Physiologischer
Teil.
Eine eigentliche physiologische
Darstellung bei Mitteln wie dieses zu geben ist
unmöglich, weil bei der Eigenart desselben die
physiologische Forschung noch völlig aussteht
und man einzig nur allein auf die
homöopathischen Prüfungen und klinischen
Erfahrungen angewiesen ist. Auch diese beiden sind
noch unsicher, da das Mittel erst im Anfang seiner
Laufbahn steht. Es ähnelt dem
Organtherapeutischen, nur ist es einer tiefer
stehenden Klasse der Säugetiere entnommen; wie
bei allen dem Tierreich entstandenen Mitteln ist
seine Wirkung eine sehr tiefgehende, tiefer als bei
den anorganischen.
Zunächst seien die
Ausführungen von Nash in seinen Leaders
angeführt, da vieles in denselben den eigenen
Erfahrungen und Ansichten entspricht. Bemerkt sei
jedoch, dass Nash zum Teil Höchstpotenzen
anwendete, die weit über die 30te hinausgehen,
die nach den eigenen Beobachtungen genügen,
über tiefere ist bisher nichts bekannt.
"Früher würde ich diesen
Stoff nicht in meine Arzneilisten aufgenommen
haben, denn ich hielt es für eine Schande, den
Stand mit; Hundemilch als einem
homöopathischen Mittel zu verunehren. Aber
nach gehäuften Erfahrungen zu seinen Gunsten
und gemäss meinem alten Grundsatz-.
Prüfet alles und behaltet daß beste'"
beschloss ich es zu prüfen; und mein erster
Versuch betraf einen Fall von akutem
Gelenkrheumatismus, der 2 'Wochen lang meinen
eifrigsten Bemühungen getrotzt hatte.
Der Schmerz sprang von Gelenk zu
Gelenk, aber Pulsatilla war nutzlos gewesen. Ich
stellte nach einer Weile fest, dass er nicht nur
von Gelenk zu Gelenk wanderte, sondern kreuzweise;
einen Tag im rechten Knie, den nächsten oder
übernächsten im linken und zurück
usw. Lac caninum heilte rasch. Nicht lauge nachher
hatte ich einen schweren Scharlach-Fall. Der Rachen
war zugeschwollen und die Ruhelosigkeit bedeutend;
dazu Gliederschmerzen, welche dem Kranken sich von
einer Seite zur andern werfen liessen; ich dachte,
Rhus würde das Mittel sein. Keine Besserung.
Dann entdeckte ich, dass die Wundheit im Rachen und
die Schmerzen in der Seite wechselten. Dies
führte mich auf das Mittel, welches sofort
heilte.
Zwei Fälle von
Mandelentzündung in getrennten Familien im
selben Hause. Eine behandelte ich, die andere ein
hervorragender Allopath. Wertvoll war die
Beobachtung, welcher Fall am schnellsten genesen
würde und besonders ohne Eiterung. Beide lagen
sehr übel und verschlimmerten sich rasch im
Laufe von 48 Stunden. In meinem Fall begann die
Schwellung auf einer Seite; den nächsten Tag
war auch die andere schlimmer, so dass ich, da die
erste Seite besser war, ihnen sagte, die andere
würde am nächsten Tage besser sein; aber
zu meinem Schrecken war am andern Tage Nummer 1
wieder schlechter, die Patientin konnte nicht
schlucken, Essen und Trinken kam durch die Nase
zurück. Mit grosser Schwierigkeit,
Drücken und Kämpfen konnte gerade ein
Löffel Arznei geschluckt werden. Ich
zögerte nicht länger und gab mittags eine
Dosis Lac caninum; bei meinem Abendbesuch fand ich
sie Austernsuppe essend, sie konnte deutlich
sprechen, während sie morgens kein Wort
herauskriegen konnte. Einen Tag später war die
Patientin ganz wohl, nur etwas schwach. Im andern
Fall trat Eiterung ein, die Sache dauerte eine
Woche länger.
So erfocht die Homöopathie
einen Sieg, und ich habe andauernd diesen
Seitenwechsel der Schmerzen als charakteristisch
gefunden, so dass ich ihn als ebenso
verlässlich betrachte, wie das Leitsymptom
irgend eines anderen Mittels.
Von dem therapeutischen Wert des
Mittels überzeugt, beschloss ich ihn durch
eine Prüfung zu bekräftigen. Ich bewog
drei Kaufleute in drei verschiedenen
Geschäften', Kügelchen mit der 200.
armiert 1 alle zwei Stunden zu nehmen. Sie wollten
nicht recht heran, bis ich ihnen das Mittel nannte;
einer von ihnen, ein belesener Jüngling,
meinte lachend, dass, wenn Wolfsmilch Romulus und
Remus nicht getötet hätte, er auch nicht
daran sterben würde. Das Resultat nach drei
Tagen bestand in drei wunden Hälsen, und der
erwähnte junge Mann hatte auf beiden Tonsillen
umschriebene Flecken, so gross wie ein Fingernagel.
Der andere Jüngling bekam Angst und wollte
nicht weiter machen, und an den wunden Hals des
jungen Mädchens schloss sich ein heftiger
Husten mit Wundheit der Brust.
Ich habe Lac caninum sehr
nützlich befunden bei Mastitis, indiziert
durch grosse Empfindlichkeit und
Wundheitsgefühl , kann nicht das leiseste
Knarren des Bette-. oder Tritte auf dem Flur
,vertragen. Wenn die Brüste und der Rachen
während der Regel wund werden, besonders, wenn
dieselbe in Güssen kommt, anstatt
kontinuierlich, ist Lac caninum das Mittel." Soweit
Nash.
Ich überlasse Ihnen, meine
Herren, das Urteil; hierzu einige kleine, eigene
Beobachtungen.
1. Frau von 45 Jahren Kopfschmerz
in der Stirn, bald rechts, bald links, Lac can. 31.
Nach vier Wochen Schmerz fort. War schwermütig
und bedrückt, jetzt heiter; auch
Augentränen besser.
2. Sehr erregte Frau von 30 Jahren,
Mutter 3 er Kinder. Allgemeine Mattigkeit,
Kopfschmerz in der Stirn, sehr verstimmt; Rachen
wund; glaubt, an einer schweren Krankheit zu
leiden; Periode stark, in Güssen. Lac caninum
31 heilte.
3. Ein sehr schwieriger Fall, der
mich mehrere Jahre hin. durch beschäftigte.
Frau von 29 Jahren, 0 para. Vater in Dalldorf
(Irrenhaus) Ý. Ich behandelte sie ein Jahr
lang an verschiedenen nervösen Beschwerden:
Herzklopfen mit Angst, Anasthesieen,
Paraesthesieen, Kopfschmerzen, Urindrang,
Schweissen. Als die enormen Kopfschmerzen
aufhörten, trat Unmöglichkeit, zu
schlucken, ein. Sie konnte nur Flüssiges mit
unsäglicher Mühe schlucken. Argent. met.,
Nux moschata, Nux vomica, Asa foetida, Ignatia,
Phosphor nützten nichts, Lachesis half
vorübergehend. Die Schlundsonde habe ich durch
einen ähnlichen Fall, wo enorme
Verschlimmerung eintrat, gewitzigt, nicht versucht;
dagegen brachte Lac caninum erhebliche, lang
anhaltende Besserung. Ausser den örtlichen
für das Mittel sprechenden Symptomen war
bezeichnend der tief melancholische, verzweifelte
Gemütszustand.
4. Mädchen von 37 Jahren.
Schmerzen wechselnd in Stirn, Schläfen,
Hinterkopf, > durch Druck und Ruhe; < durch
Wind, Erregung. Schwindel. Denken <. Immer
schwere Krankheit. Schmerzen wechselnd in den
Gliedern. Geräusch unangenehm. Bisweilen
Doppeltsehen mit Augenschmerz. Lac caninum
besserte die seit zehn Jahren bestehenden
Beschwerden prompt in zwei Monaten.
Mädchen von 22 Jahren. Seit 3
Tagen mit hohem Fieber und intensiven
Schluckbeschwerden erkrankt. Nahm vergeblich
,verschiedene Merkurpräparate.
Linke Tonsille war sehr stark
geschwollen, der ganze Rachen intensiv gerötet
und geschwollen. Ich verordnete Hepar 6. und
prophezeite, der sich bildende Mandelabszess
würde sich öffnen und die Krankheit nach
einigen Tagen beendet sein. Nächsten Tag
Schmerzen und Schwellung auf der rechten Seite.
Zustand im ganzen sonst gleich. Lac canin. 30. alle
3 Stunden 4 Tropfen. Nächsten Tag Schwellung
und Schmerz bedeutend geringer. Rasche
Wiederherstellung. Die Wirkung nach Aussage der
Angehörigen zauberhaft.
5. (Poliklinischer Fall.) Frau in
jüngeren Jahren, schon einige Monate von mir
behandelt wegen Rheumatismus und Dysmenorrhö,
erhielt Lac caninum wegen der die
Körperhälften wechselnden Schmerzen. Als
sie wiederkam, waren die Schmerzen fort, die Regel
noch nicht wiedergekehrt, indessen erwartete sie
dieselbe dieser Tage und hob hervor, dass das
schmerzhafte Anschwellen der Brüste vor der
Regel diesmal ausgeblieben sei (sehr interessant
wegen der oben hervorgehobenen Beziehungen des
Mittels zu denselben). Als ich den anwesenden
Herren von Kurs die weiteren Leitsymptome des
Mittels vortrug, unterbrach sie jedesmal: "ja eine
grosse Schlange habe ich auch letzte Nacht gesehen,
ja Schluckbeschwerden habe ich auch; man muss eben
gerade bei den für L. c. charakteristischen
Krankheitszuständen mit grosser Behutsamkeit
Symptome und Erfolge erwarten.
Also in allererster Linie ein
grosses Nervenmittel; die betreffenden Symptome
beherrschen das gesamte Mittelbild und unter diesen
wieder die Hyperaesthesie der zentralen Empfindung:
Einbildung einer schweren Erkrankung, sieht
Schlangen, gräuliche Gesichter, ist nicht sie
selbst und andere Irrungen einer
überempfindlichen, sich überschlagenden
Psyche, Traurigkeit, Gereiztheit. Kann keine
zusammenhängende geistige Arbeit leisten;
Hysterie bis Manie. Hyperaesthesie der peripheren
Empfindungen. Verträgt nicht die leiseste
Berührung; Empfindlichkeit gegen Licht und
Geräusch. Kopfschmerz meist in der Stirn,
Augen schmerzen, bisweilen > durch Wärme;
rheumatische Beschwerden > durch
Kälte.
Lähmung des Schlundes.
Schmerzen in den Gliedern, die
Seiten wechselnd.
Membranen im Rachen, Dysmenorhoea
membranacea. In der Symptomatologie erwähnte,
den vielen psychischen Symptomen entsprechende
zahlreiche Störungen der weiblichen
Genitalien.
Soweit meine Erfahrungen reichen,
ein Mittel besonders für Frauen auf der
Höhe des Geschlechtslebens.
IV. Vergleichender
Teil.
Lachesis: Hat im Gegensatz zu L. c.
den Wunsch, allein zu sein, um die Einbildungen zu
bekämpfen, allein gelassen, fühlt sie aus
dem Fenster über grüne Wiesen zu
schweben, ein Geräusch bringt. sie wieder zur
Welt zurück.
Ähnlich in der Empfindlichkeit
der Haut des Abdomen gegen Berührung.
Ähnlich beim Liegen
Gefühl des in der Luft Schwebens, das Bett
nicht Berührens.
Ähnlich in der Empfindung, als
ob die Luft von Gestalten erfüllt ist.
Ähnlich Schmerzen im rechten
Ovarium, > durch Absonderung roten, hellen
Blutes.
Asarum Europaeum: Ähnlich
Schweben beim Gehen.
Alumina: Ähnlich Gefühl,
als ob nicht er, sondern ein anderer
spricht.
Besserung der rheumatischen
Beschwerden durch Kälte bei Ledum und
Pulsatilla.
Kalium bichromicum: Hat gleichfalls
glasige Röte des Rachens.
Zinc: Hat auch Schmerzen in den
Ovarien, > durch Blut- abgang, die Hysterie
> zur Zeit der Regel.
Während Lac caninum Wundheit
im Rachen hat, beginnend mit der Periode und mit
ihr endigend hat Magnesia carb. dasselbe vor der
Regel und Calcarea carb. während
derselben.
Pulsatilla: Ist mit L. c. der beste
Milchvertreiber.
V. Literatur-Verzeichis.
Dictionary of Materia Mediea by
Clarke.
Leaders Nash.
Materia medica Kent.
_____________
Quelle:
Ausschnitt aus dem Artikel:
"Bemerkungen zu einigen seltener angewendeten
Mitteln und selten beachteten Indikationen
bekannter Mittel" von Dr. Gisevius jun.;
erschienen in der Zeitschrift des Berliner Vereins
homöopathischer Ärzte, Band 27, 1908, S.
273 - 290
Gesamter
Artikel als pdf-Datei
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