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Arsenik-Vergiftung
Daß von der arsenigen Säure ein
Decigramm tödtlich wirken kann, ist bekannt.
Trotzdem findet dieses Mittel in der Schulmedizin
in starken Gaben immer noch ausgiebige Verwendung,
namentlich bei chronischen Ausschlägen,
Schuppenflechten, Neuralgien, Veitstanz,
eingewurzelter Malaria ec. Daß die Patienten
dadurch sehr oft geschädigt werden, unterliegt
keinem Zweifel. Nicht immer gelangen diese
Schädigungen, vulgo Vergiftungen, zur
Erkenntnis weiterer Kreise, weil es nicht bekannt
ist, daß zwischen dem Arsenikgebrauche und
dem Auftreten von Vergiftungserscheinungen viele
Wochen vergehen können, die dann meist nicht
mehr auf das zu Heilzwecken verabreichte Mittel
bezogen werden, besonders wenn das Publikum nicht
weiß, daß die wasserhellen, unter dem
Namen Solutio Fowleri verschriebenen Tropfen ein
Procent arsenige Säure enthalten. So
berichtete Dr. Coleman in der Clinical
Society in London am 14. Januar diesen Jahres,
daß bei einem veitstanzkranken Mädchen,
welches vier Wochen lang täglich drei Mal 15
Tropfen Solutio Fowleri erhalten hatte, der
Veitstanz zwar verschwunden, aber drei Wochen
später eine vollständige
Nervenentzündung in Armen und Beinen mit
Lähmung eingetreten sei. Coleman
konnte das Mädchen, da er die Ursache kannte,
noch retten, denn ähnliche Fälle waren
ihm wiederholt vorgekommen; doch war ihm auch ein
solcher Patient schon einmal verloren gegangen.
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Erschienen in der Sparte "Praktika" in der
Leipziger Populäre Zeitschrift für
Homöopathie, 1898, Heft 7 u. 8, Seite 72
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