Zur Artikelübersicht

Zurück zur Startseite

 

Chininum sulfuricum*

von Dr. G. Sieffert, Paris

Daß Chininum sulfuricum fieberwidrig, hauptsächlich bei Intermittens wirkt, ist eine bekannte Sache. Darüber will ich zwei Berichte erwähnen, bei welcher diese Wirkung, oberflächlich angesehen, ganz sonderbar klingt.

1. Ein 60jähriger Mann beklagte sich über Verdauungsstörungen, besonders über Darmkoliken und Blähungen, die sich täglich zweimal, zwei Stunden nach der Mahlzeit, einstellten. Vergebens hatte man alle üblichen Mittel angewandt; die Leibschmerzen bestanden regelmäßig.

Ich erkundigte mich weiter, und nun erzählte mit der Patient, daß er während seiner Jugend, resp. während seiner Militärzeit auf der Insel Korsika von einer hartnäckigen Malaria heimgesucht worden war. Ich dachte sofort an Chininum sulfuricum, verordnete 80 Zentigramm in zwei Dosen, mit einem Zwischenraum von zehn Minuten und nach Beendigung des Schmerzanfalls genommen. Am folgenden Tag erschien der Anfall wieder, jedoch viel gelinder. Ich verordnete noch einmal 40 Zentigramm auf die selbe Weise und seither sind alle Verdauungsstörungen verschwunden.

2. Ein zehnjähriges Töchterchen empfand jeden Tag, zwei Stunden nach der Mahlzeit, derartig heftige Schmerzen in der Magengrube, daß es und seine Eltern fürchteten, die kleine Patientin würde dem Übel unterliegen. Hierauf verordnete ich zuerst die üblichen Mittel gegen Verdauungsstörung mit ebenso ungünstigem Erfolge als im vorhergehendem Falle. Die Krankheit dauerte schon seit ziemlich langer Zeit, als man mir ganz zufällig mitteilte, die Kleine hätte den ganzen Herbst auf dem Lande zugebracht, und daß man in der Nähe ihres Aufenthaltes den Grund herumgewühlt hatte zur Errichtung eines Gebäudes.

Es galt also hier wieder eine Intermittens. Chininum sulfuricum, 30 Zentigramm wie oben, beseitigte sofort jede Beschwerde.

Ich betone diesen beiden Fälle besonders wegen des seltsamen Vorkommens des Wechselfiebers.

*Artikel in der "Leipziger Populäre Zeitschrift für Homöopathie", 1906, Heft 19+20; S. 152

 

Zur Artikelübersicht

Zurück zur Startseite