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Ein Fall von Naphthalinkatarakt am Menschen Von Dr. A. Lisenius, Petersburg.
Bei Tieren ist durch Einverleibung von Naphtbalin wiederholt Linsentrübung hervorgerufen worden. Beim Menschen, für den die maximale Tagesdosis auf 3,0-5,0 g angegeben wird, fand L. zum ersten Male Katarakt nach Einnehmen von 5,0 g Naphthalin. Ein sonst ganz gesunder, kräftiger Apotheker von 36 Jahren hatte wegen einer akuten Darmerkrankung die ihm verordnete Medizin (5,0 g Naphthalin auf 200,0 Emulsio 0l. Ricini) innerhalb 13 Stunden eingenommen. 9 Stunden später erwachte er nach einer ruhigen Nacht mit heftigen Schmerzen in der Harnblase und mit der Wahrnehmung, dass er "blind," sei. Die Untersuchung ergab: konzentrische Einengung des Gesichtsfeldes, Fingerzählen auf 1,5 m, Trübung beider Linsen, die aussahen, als ob sie mit einem in weisse Flüssigkeit getauchten Pinsel bespritzt worden wären, Verengerung der Netzhautarterien, Blässe der äusseren Papillenhälfte. Die Linsen sollen später extrahiert werden. Das von dem Kranken eingenommene Naphthalin war kein reines Präparat. Man vergleiche damit den interessanten Fall von Dr. Majumdar, der in 2 Monaten einen traumatischen Katarakt mit der 6. d. trit. von Napthalin heilte, der operiert werden sollte.
Quelle: Zeitschrift des Berliner Vereins homöopathischer Ärzte, 1903, Heft 5, S. 347 |