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Morbus Basedow und Thyreoidinum
Fräulein W., 24 Jahre alt, aus H. Ein blass aussehendes zierliches Fräulein leidet seit etwa zwei Jahren an Morbus Basedowii. Sie hat etwa 30 Pfund abgenommen. Ihre Klagen bestehen hauptsächlich in großer Aufgeregtheit. Jeder kleine Anlass, früher ohne Einfluß, bringt sie aus der Ruhe. Dabei fühlt sie sich sehr matt und ist am Tage schläfrig, obwohl der Schlaf nicht besonders gestört ist. Jede kleine Aufregung läßt den Schweiß am ganzen Körper ausbrechen, ja sie schwitzt beinahe immer. Der Appetit ist sehr gut und dabei magert sie trotzdem ab. Mäßig starkes Herzklopfen. Halsumfang 33 cm., besonders der rechte Lappen der Schilddrüse ist verdickt, aber ziemlich weich. Etwas Exophthalmus. Frühere Erfahrungen ließen mich davon absehen, Mittel wie Phos. oder Jod. zu verordnen. Ich habe in solchen Fällen damit nur vorübergehend geringe Erfolge erzielt. Ich gab daher am 5. Dezember 1910 7 Pulver Thyreoidin C200, von denen das 1., 4. und 7. Pulver armiert war [Anmerkung: Die Pulver 2,3,5 und 6 waren Placebos], jeden 2. Tag eines zu nehmen. Am 29. Dezember 1910 stellte sie sich schon etwas gebessert vor. Sie schläft erquickender, ist am Tage munterer und weniger aufgeregt. Verordnung: Dasselbe Mittel. Erst am 4. Februar 1911 kam sie wieder mit der Meldung, daß sie sich viel wohler fühle, ohne Ermüdung zu spüren anhaltend laufen könne. Ihr Herz sei wesentlich ruhiger und der Hals dünner. Ich gab Thyreoidin C1.000, am 1. und 12. Tage ein Pulver. Darauf erfuhr ich am 1. März 1911, daß sie sich recht wohl fühle, den ganzen Tag frisch sei und nur durch die mäßige Anschwellung der Schilddrüse sowie durch die noch immer ein wenig vertretenden Augen an ihr altes Leiden erinnert werde. Sie war des Dankes für die schönen Pulver, die ihr so gut getan hätten, nachdem sie früher alles mögliche ohne jeden Erfolg angewendet habe. Sie erhielt noch eine weitere Gabe Thyreoidin C1.000. Dr. Oehmisch, Halle
Der Fall war erschienen in der Zeitschrift des Berliner Vereins Homöopathischer Ärzte, 1913, S. 112 |