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Über Tuberkulin Das Tuberkulin ist ein ganz ausgezeichnetes und ganz unentbehrliches Mittel für den, der es anzuwenden versteht. Warum ist das Mittel denn jetzt fast ganz wieder verlassen? ich meine von den Allopathen. - Weil die Dosen, in denen diese Herren das Mittel anwenden, so große waren, daß die Erstwirkung die Nachwirkung in dem Maße überwog, daß nur zu oft Schaden angerichtet wurde. Sogar die 30. Centisimalpotenz ist noch so "stark", daß sie oft eine zu starke Erstwirkung hat, und Dr. Burnett sagt, er gäbe das Mittel jetzt kaum noch unter der 100. Potenz. Dieser Arzt hat das Tuberkulin schon fünf Jahre eher als Koch gekannt und angewendet, natürlich in homöopathischer Potenz und hat damit ganz bedeutende Erfolge erzielt. Aus dem 1890 erschienen Werk Dr. Burnett´s, welches den Titel führt: "Fünfjährige Erfahrung über die Wirkung des Tuberkulin bei Schwindsucht", wollen wir nun einiges sehr Interessante mitteilen, nämlich die drei Vorreden, einige Prüfungen des Mittels am Gesunden und zuletzt Krankengeschichten.
Vorrede zur ersten Auflage, geschrieben 1890: Seit den letzten zehn Jahren hat sich die medizinische Wissenschaft besonders mit kleinen Lebewesen als den Ursachen ansteckender und anderer Krankheiten, sowie mit den Stoffwechselprodukten dieser kleinsten Lebewesen als den Mitteln zur Heilung oder Vorbeugung gegen dieselben Krankheiten beschäftigt, und es ist namentlich Pasteur, der in dieser Beziehung allgemein bekannt ist. Aber wo immer es sich um die Heilungen von Krankheiten handelt, da haben die Vertreter der Homöopathie die Führung gehabt und es ist daher nicht zu verwundern, daß sie auch im Gebrauche des Giftes der Schwindsucht gegen die Schwindsucht selbst die ersten waren. Erhoben doch vor mehreren Jahren die Vertreter der herrschenden Schule ein Zetergeschrei über diejenigen homöopathischen Ärzte, welche das Gift der Schwindsucht als Heilmittel gegen die Schwindsucht selbst benutzten, und aus Furcht vor heftiger Opposition der Gegner und dem Vorurteil, welches sie in löblicher Unwissenheit der Sache entgegenbrachten, wurde das Mittel fast verlassen, nur einige wenige homöopathische Ärzte veröffentlichten hier und das einmal einen Schwindsuchtsfall, welcher durch das Gift der Schwindsucht selbst geheilt worden war. Ich bin nun einer von denen, welchen die Gegnerschaft und der Hohn auf Seiten der "Männer der Wissenschaft" ein Antrieb zu ferner Untersuchung und Beobachtung der Sache wurde; ich habe in den letzten fünf Jahren das Schwindsuchtsgift sehr häufig angewendet und das im Allgemeinen mit bestem Erfolg. So kam es, daß das Material, welches den Inhalt des vorliegenden Buches ausmacht, allmählich anwuchs; sollte es doch eigentlich nur ein Teil eines größeren Werkes bilden, welches ich über die Heilung schwerer Krankheitsformen mit dem Krankheitsgifte selbst zu schreiben beabsichtigte. Doch da tritt plötzlich Koch mit seiner Epoche machenden Entdeckung eines neuen Schwindsuchtsmittels auf, welches aber bei Licht betrachtet nichts anderes ist, als als unser schon lange in der Homöopathie gebrauchtes Gift der Schwindsucht, wogegen dieselben Männer seiner Zeit Zetermordio geschrien, welche jetzt anbetend Koch zu Füßen liegen. Dr. Mau / Kiel Artikelserie in der "Leipziger Populären Zeitschrift für Homöopathie", 1901, S. 3 ff.
[Anmerkung: Das hier angesprochene Buch von J.C. Burnett ist in deutscher Übersetzung unter dem Titel Bacillinum - Die neue Heilmethode der Schwindsucht mit ihrem eigenen Erreger im Verlag Müller & Steinicke, München, 2001 erschienen.] |