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Hale-Index- Chloralhydrat
Chloralhydrat.
Analoge Mittel:
Aether, Chloroform, Bromkali, Bromnatron, etc.
Allgemeines:
- Wenn es gegeben wird, um Schlaf zu erzeugen oder Scherzen zu
lindern, so verabreicht man es am besten in Tolusyrup, 10-20 Gr.
pr. dosi oder mehr; doch ist es am rathsamsten, mit kleinen Gaben
anzufangen und die Lösung sehr zu verdünnen
- Wenn der Mageninhalt sauer ist, so wird das Chloral zu langsam
oder gar nicht resorbirt; wenn er alkalisch ist, zu schnell; daher
sollte saurer Mageninhalt erst neutralisirt werden, eher Chloral
gegeben wird; bei neutralem Mageninhalte wirkt es am besten
- In tödtlichen Fällen hörten die Organe in
folgender Ordnung auf zu fungiren, Gehirn, willkürliche
Muskeln, Lungen, Herz
- Das Chloral verhindert die Blutgerinnung, zerstört die
Blutkörperchen und veranlasst endlich allgemeine
Zerstörung des Blutes
- Die Dauer der Wirkung steht im Verhältniss zur
Schwäche des Kranken
- Chloral kann tiefe und lange Narkose bewirken, in einem Falle
40 Stunden dauernd
- Während einer Periode der Narkose kann völlige
Anaesthesie mit Mangel an Reflexaction vorhanden sein, so dass
eine Operation vollzogen werden kann, ohne dass der Kranke etwas
davon weiss
- Traumatischer Tetanus
- Krämpfe in den letzten Stadien der Geburt
- Heftige Fälle von Chorea
- Kinderkrämpfe (2 Gr. bei jedem Anfall
- Tetanus
- Aeusserste Erschöpfung der Muskelkraft
- Collaps
- Zittern
- Wadenkrämpfe
Haut und Aeusseres:
- Scharlachartiger Ausschlag
- Erythem
- Petechien
- Decubitus
- Anaesthesie der Haut
- Purpura haemorrhagica. (Eine 69 jährige, zu periodischen
Anfällen von Manie geneigte Frau erhielt dagegen 20 Gr.
Chloral, tägl. 3 mal; am 4 Tage Ausbruch lebhaft rother
Flecken an Brust und Schultern, bei Druck mit dem Finger nicht
verschwindend und in den nächsten 2 Tagen sich über
Stamm und Glieder verbreitend, am schlimmsten an den Gliedern. Die
Haut sah marmorirt aus in Folge von lividen und dunkelrothen
Flecken. Die Lippen und die Schleimhaut der Backen gleichzeitig
roh und wund, das Zahnfleisch schwammig, die Zunge mit
Bläschen bedeckt und geschwürig. Stinkender Athem, Puls
120, schwach, wegdrückbar; grosse Schwäche, Aufregung,
Delirien. Den 9. Tag die Ulceration im Munde ausgebreiteter und
belästigender. Den 11. Tag fing der Ausschlag an zu
verschwinden; die Haut stellenweise weiss und gelb. An den rothen
Armen schält sich die Epidermis in weissen Fetzen ab; die
Lippen schmutzig belegt und mit vertrocknetem Blute bedeckt. Am
15. Tage allgemeine Desquamation; die Haut ist in dicken, runden
Flecken erhaben; die junge Haut ist matt livid und an einigen
Stellen gelb. Ausgebreiteter Decubitus; in der Nähe der
Gelenke die Haut aufgesprungen)
- Purpura haemorrhagica. (Eine 46 jährige, herzkranke,
blödsinnige Frau erhielt 15 Gr. Chloral 3 mal täglich.
Nach einigen Tagen Ausbruch zahlreicher, röthlicher, livider
Flecken um den linken Ellenbogen, welche sich den nächsten
Tag vergrösserten und mit anderen, ähnlichen Flecken an
der Schulter und dem Unterarme vereinigten. 2 Tage später
mehrere livide Flecke im Gesichte; der linke Arm geschwollen und
verhärtet. Am linken Arme auf rother Oberfläche eine
Menge kleiner Punkte oder Stigmata von viel dunklerer Farbe und
nicht bei Fingerdruck verschwindend. Am nächsten Tage matt
livide Flecken und Entfärbungen - einige klein, rund und
umschrieben, andere gross und regelmässig in Form - an den
Beinen, Bauche und Rücken; auf letzterem Körpertheile
bildet der Ausschlag einen 2 Zoll breiten Streifen zu beiden
Seiten der Wirbelsäule. Große Erschöpfung, Neigung
zu Somnolenz, Schwäche, fieberhafter Puls. Lippen wund und
ohne Epithel, rissige, dickbelegte Zunge. Den nächsten Tag
weitere Ausbreitung der Flecke; sie sehen nicht mehr so lebhaft
roth aus, sondern dunkel und livid. Congestion nach den Lungen;
Syncope. Tod. Der Körper war mit lividen Ecchymosen von
verschiedener Grösse und Gestalt, grösser an den
Gliedern, bedeckt)
- Eine 50 jährige Frau hat Wassersucht. Das Zellgewebe des
unteren Theils des Bauches bildet eine ungeheure, rundliche,
harte, kalte Anschwellung um den Bauch; auch Wassersucht der
Beine, welche in Folge ausserordentlicher Anschwellung der Vulva
weit aus einander gestreckt sind. An den Unterschenkeln vorn und
hinten grosse Geschwüre, mit schwarzen Grinden bedeckt, unter
welche dicker, rahmartiger Eiter hervorquillt. Von der untern
(hintern) Seite der Beine tropft beständig kaltes Wasser.
Oberhalb des Nabels Abmagerung: kein Oedem im Gesicht und nur
wenig an den Händen. Die Handteller röthlich, wie oft
bei Schwindsüchtigen. Sehr grosse Unruhe des Herzens mit
Aufschwulken und zuweilen ein Gefühl, als ob sich das Herz
umdrehe; grosse Dyspnöe mit erschwertem Athem; Erweiterung
und Klopfen der Halsgefässe; Gefühl von Flattern durch
die ganze Brust; Puls 140. Harn fast unterdrückt, geht unter
grossen Schmerzen ab; in 24 Stunden ein Kaffeelöffel voll
dicken, dunkeln Harnes. Am Ende des Rückgrates ausgebreiteter
Decubitus, welcher grünlich, gangränös aussieht.
Sie kann nicht liegen, sondern blos sitzen. Seit 3 Tagen kein
Schlaf. Man erwartete den Tod die nächste Nacht. 5 Gr.
Chloral in Wasser alle _ Stunden; mehrere Gaben. Dies brachte
keinen Schlaf aber allgemeine Besserung; Herzthätigkeit nicht
so heftig, Puls 100. Den nächsten Tag die Herzthätigkeit
natürlich, aber der Puls in Folge organischer Herzkrankheiten
aussetzend; Athem erleichtert; Abgang vielen dunkeln, aber
ziemlich klaren Harnes
- Blasse, kalte, trockne Haut
Schlaf:
- Ruhiger, scheinbar natürlicher Schlaf
- Comatoeser Zustand mehrere Tage lang und mit tödtlicher
Gehirncongestion endend
- Unruhiger Schlaf mit Aufschreien
- Nächtliches Aufschrecken; besonders bei zahnenden
Kindern
- Schlaf, während dessen er weiss, was er thut.
- 20 Gr. erzeugen gewöhnlich einen 6stündigen Schlaf.
Gemüth und Sensorium:
- Melancholie
- Reizbarkeit, Jähzorn
- Zerstörungssucht und Heftigkeit bei Geisteskranken
- Sucht, sich zu verstümmeln
- Mania puerperalis
- Unzusammenhängendes Reden; Delirien.
- Delirien, nachher tiefe Depression
- Delirium tremens
- Hallucinationen
- Grosse Aufregung
- Gehirncongestion
- Grosser Gefässreichthum im grossen und kleinen Gehirn und
deren Hüllen
- Congestion des Gehirns und Rückenmarkes
Kopfschmerzen:
- Ausserordentlich heftiger Schmerz im Hinterkopfe
- Grosse Schwere des Kopfes; er kann ihn nicht aufheben
- Der Kopf, als ob er von einem Schraubstocke zusammengeschraubt
würde
Augen:
- Die Schleimhaut der Augen injicirt
- Schmerzhafte Schwere der Augen
- Die Lieder so schwer, dass er sie kaum öffnen kann
- Heftiges Jucken der Lidränder
- Die Augen roth, injicirt, blutig unterlaufen
- Die Lider geschwollen
- Brennen in den Augen und an den Lidern
- Augenthränen, besonders beim Ansehen der Gegenstände
- Die Augäpfel wie zu gross
- Blindheit oder sehr undeutliches Sehen
- Störung des Accommodationsvermögens
- Grosse Hyperaesthesie der Retina
- Kann kleine Gegenstände, wie Buchstaben, nur ein Paar
Minuten sehen, weil sie langsam verschwinden. Wird daher nur ein
Auge gebraucht, bis die Gegenstände schwinden, so sieht dann
das Andere für ein Weilchen deutlich
- Alles sieht weiss aus; Farbenblindheit (Coca)
- Dunklere Flecke vor den Augen
- Gesichtshallucinationen in lebhaften Farben beim Schliessen
der Augen oder im Dunkeln
- Alle Farben sind ungewöhnlich lebhaft
- Zittern vor den Augen beim Niederlegen
- Grosse Empfindlichkeit gegen Licht und Geräusch
- Erweiterte Pupillen
Ohren:
- Gefässreichthum in den Ohren ohne Vermehrung der Hitze
Angesicht:
- Gesichtsblässe
- Turgescenz
Zähne und Mund:
- Neuralgie von hohlen Zähnen (1-2 Gr. local in die
Zahnhöhle hilft schnell)
- Zahnschmerz nach dem Füllen der Zähne mit Gold, in
Folge des dadurch veranlassten Druckes; der Schmerz sehr heftig,
schlimmer im Liegen
- Scheinbare Anschwellung der Zunge mit Gefühl von
Steifheit und Zittern
- Furcht vor Erstickung in Folge von Anschwellung der Zunge
- Erstickendes Gefühl an der Zungenwurzel
- Schwarzer Streifen in der Mitte der Zunge
- Schaum vor dem Munde: eine Art Speichelfluss
- Livide Lippen, herabhängender Unterkiefer,
zurückgezogene Zunge
Appetit bis Bauch:
- Heftiger Durst
- Neigung zu Ohnmacht und Erbrechen
- Leerheitsgefühl im Magen
- Würgen, 1 Stunde lang
- Chloral belästigt gewöhnlich den Magen nicht
- Erbrechen von Reflexreiz
- Gastralgie
- Kolik
- Schmerzen von Gallensteinen
- Congestion der Baucheingeweide. Die Gefässe im
Mesenterium angeschwollen und die Schleimhäute injicirt
Stuhl und After:
- Stuhlverstopfung bei Geisteskranken
- Durchfall schlimmer Nachts, während des Zahnens,
äusserste Aufregung
- Reichard und andere gaben Chloral 4,0 in 15,0 Wasser mit sehr
günstigem Erfolge gegen Cholera; die Kranken schliefen bald
nach dieser Gabe ein, worauf allgemeine Besserung eintrat.
Blumenthal und andere gaben mit ausgezeichnetem Erfolge gegen
Cholera 1-3 Gaben Chloral, 3,2 auf 15,00
Wasser 1-1_ stündlich
Männliche und weibliche Theile:
- Impotenz
- Kein Verlangen auf Geschlechtsgenuss und Erectionen
- Sehr heftige Chorda bei Tripper
- Schmerzhaftigkeit der Wehen; Dysmenorrhöe,
Uterinkrämpfe (Gegenanzeige: Neigung zu Blutungen)
Luftröhre bis Athem:
- Keuchhusten
- Husten mit Dyspnöe
- Schleimhaut der Trachea sehr injicirt
- Die Brust eigenthümlich voll und eng
- Schmerz in der Brust
- Sehr verlangsamte Respiration
- Erschwertes Athmen
- Grosse Dyspnöe, Gefühl von Erstickung,
Brustbeklemmung an der Basis der Brust und heftiger Durst
- Phthisis mit grosser Athemnot und Herzklopfen
- Hypertropie des Herzens mit Erweiterung
- Herzklopfen
- Puls anfangs verlangsamt, dann beschleunigt, klein, schwer zu
fühlen
- Brennen im Herzen
- Herzschlag schwach, aber regelmässig, 120
- Auf eine Gabe von 50 Gran traten folgende Symptome ein: Kalte
Glieder, äusserst schneller, schwacher, unregelmässiger,
intermittirender Puls, Zucken der Glieder, unerträgliches
Ohnmachtsgefühl und Druck in der Herzgrube, Schnappen nach
Luft, Gedankenverwirrung; der Radial- und Temporalpuls
häufig, schwach, unregelmässig (in Stärke und
Zeit), häufig aussetzend, während das Herz
regelmässig, jedoch häufiger und schwächer schlug
Glieder:
- Glieder kühl
- Wadenkrämpfe
__________
Quelle:
EDWIN M. HALE´S NEUE AMERIKANISCHE HEILMITTEL; LEIPZIG, 1873