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Hale-Index- Atropin
Atropin
Analoge Mittel: Bellad. und die der Bellad. analogen Mittel;
außerdem besonders noch Baptis., Cimicif., Cact., Gelsem.
Zubereitung: Verreibungen
Anwendung:
Die Symptome des Atropin sind denen der Bellad. ähnlich, aber
die Wirkungen der letzteren sind vielfacher und zahlreicher
(extensiver) als die des Atropin, dieses dagegen wirkt viel
intensiver und heilt daher noch da, wo jene wirkungslos ist.
Während wir nie daran denken würden, Atropin in
fieberhaften Zuständen, bei acuten Exanthemen,
Entzündungen, Erysipelas, Drüsenkrankheiten ect.
anzuwenden, wo wir gewöhnlich Bellad. brauchen, haben wir eine
sehr hohe Meinung von seinem Werthe in Neuralgieen, acuten
Congestionen, schmerzhaften, spasmodischen Affectionen, besonders der
Schliessmuskeln, bei nervöser Unruhe, Hyperaesthesie und anderen
Erkrankungen, die ihren Ursprung im Nervensystem haben (Hale). Wenn
Bellas. angezeigt ist, aber nicht hilft, sollte stets erst Atropin
gereicht werden, ehe zu einem neuen Mittel übergegangen wird.
(Rückert, Klin. Erfahrungen 2. Supplementbd. 55)
Allgemeines:
- Grosse Müdigkeit; den Tag über sehr matt und
niedergeschlagen
- Allgemeine Anaesthesie der Haut und Glieder (primär)
- Hyperanaesthesie des ganzen Körpers (secundär)
- Anaesthesie, mehr für die der Krankheit
eigenthümlichen Schmerzen, als für die
Gefühlseindrücke von aussen; der Tastsinn ist am
wenigsten gestört
- Torpor und paralytisches Zittern, wankender Gang
- Nur bei centrischer Epilepsie, nicht bei sympathischer
- Centrale angeborene Epilepsie
- Chorea
- Tetanus; ein gesunder 14jähriger Knabe sprang von
einem Wagen und wurde einige Tage darauf von Kinnbackenkrampf und
heftigen Schmerz der Hals- und Rückenwirbelgegend befallen;
am 4. Tage 1/16 gr. Atrop. 3stündl.;
nach 24 Stunden die klonischen Krämpfe weniger heftig und
nicht so lange anhaltend; die tonische Steifigkeit liess zuerst in
den Beinen und Halse nach, dann im Rücken, zuletzt im Bauche
und den Massetern; am 6. Tage waren blos noch die Masseter
ergriffen. Heilung in 3 Wochen
- Ein gesunder kräftiger Mann von 28 Jahren bekam einen
Schrotschuss in den linken Fuss; die ersten 11 Tage blos dumpfer
Schmerz; am 12 Tage plötzlich erschwertes Schlingen, bald
Krampf des ganzen Gesichts, dieses nach links gezogen und
geröthet; nach einigen Tagen Opisthotonus; nach dessen
10stündiger Dauer Pupille verenget. Gesicht ängstlich,
Puls frequent klein; Schweiss; die Relaxation unvollkommen und
nicht lange anhaltend; jeder Versuch zu sprechen, zu schlingen
oder sich zu bewegen erregt eine mehrere Minuten anhaltende
Exacerbation; Stuhl und Harn verhalten; Stram., Nux, Ign., Cup.,
Bell. erfolglos; Atrop. 4. stündlich; danach 12 Stunden
vollkommene1/2stünd. Relaxation, nach 9 Tagen Heilung (Allg.
h. Ztg. 62. 60 Sigmann)
- Eine an heftigen Krämpfen der Massetern und Oberglieder
leidende, 30jähr. Kr. wurde nach einem weiten Gange
bewusstlos; Kinnbachenkrampf und Krampf der Oberglieder, Puls gar
nicht, Herz nur wenig fühlbar
- Atrop. half sogleich und heilte in 5 Gagen (Allg. h. Ztg. 59.
128 Eidherr)
- Epilepsie: ein 13jähr. Mädchen an allgemeinem
Veitstanz leidend, bekam alle Nächte gegen Morgen mehrere
Stunden lang einen so heftigen Krampfanfall, dass der Körper
im Bette herumgeworfen ward und sie mit den Händen und
Füssen die Betten zeriss, so das sie auf die Dielen gelegt
werden musste. Einige Rückenwirbel bei Druck empfindlich;
mehrer Mittel erfolglos; Atrop. 2. heilte (Allg. h. Ztg. 56. 155.
Battmann)
- Ein 15 _jähr. graciles, blühendes Mädchen
verfiel vor 2 _ Jahren in allgemeine Krämpfe in Folge des
plötzlichen Sehens eine epileptischen Anfalls; in
unregelmässigen Zwischenräumen Anfälle von
Epilepsie: Zuckungen der Glieder, bald auch auf die Muskeln des
Gesichtes und Stammes übergehend. Nach 10 15 Minuten
tonische Form des Trismus und Opisthotonus, nach _ - _ Stunden
Wiederkehr der Wärme, profuser Schweisss und tiefer Schlaf,
aus dem sie den nächsten Tag angegriffen erwacht: mit der
Steigerung der Convulsionen hielt der Turgor im Gesicht gleichen
Schritt; das anfangs wilde, rollende Auge wurde starr und
prominirend, die des Körpers sank unter die Normalhöhe;
Schaum vor dem Munde; congestiver Kopfschmerz und habituelle
Mydriasis der Pupillen; Atrop. 4. täglich 2 mal, heilte in
etwa 14 Tagen unter Eintritt der Menses (Hirsch. N. Ztschr. 14. 11
Payr.)
Haut und Aesseres:
- Dunkelrother, gefleckter Ausschlag wie Scharlachfieber
- Ein 3monatliches Kind erhielt 1/200 gr. Atrop., nach wenigen
Minuten wurde das Gesicht und der obere Theil des Körpers
dunkelroth, der Schweiss hörte auf und die Haut wurde trocken
und heiss; dies hielt 5 Stunden lang an; am nächsten Tage
wurde blos die Hälfte dieser Gabe gegeben, und doch trat
derselbe Zustand wieder ein, dauerte aber blos 2 Stunden. 2 Tage
später wurde dasselbe Experiment mit demselben Erfolge
nochmals wiederholt. Der Keuchhusten, gegen welchen Atropin
gegeben wurde, besserte sich nur wenig
- Röthe der Haut wie nach Insolation oder Frost; die Venen
geschwellt
- Livor und Schwellung der Haut bis zu Hauteruptionen und
brandige Abstossung
- Ameisenkriechen
- Anaesthesie der Haut: Das Gefühl gegen Berührung ist
verloren oder unrichtig
- Das Einstechen von Nadeln veranlasst keinen Schmerz
- Das Giessen von Wasser auf die Haut erzeugt keine Empfindung
- Die Haut scheint unnatürlich glatt, wie Glas
- Kalte, blasse, klebrige Haut
- Nützlich in manchen Fällen von
Scharlachfieber
- Bei verzögerten oder unterdrückten
Hautausschlägen veranlasst Atrop. deren Wiedererscheinen
Schlaf:
- Schlaflosigkeit, spätes Einschlafen, häufiges
Erwachen; Abends zeitig grosse Schläfrigkeit
- Schläfrigkeit mit Unvermögen zu schlafen
- Tiefer, schwerer, comatoeser Schlaf
- Schlaf mit vielen erschreckenden Träumen, die durch das
beständige Bemühen, der eingebildeten Gefahr zu
entrinnen, sehr ermüden
- Heitere Träume
- Tiefer Schlaf mit Murmeln und unzusammenhängenden Reden
- Er sitzt in einem duseligen, apathischen, schläfrigen
Zustande und gähnt häufig lange
- Tiefer schlaf mit rothem, aufgedunsenem Gesichte
Fiebersymptome:
- Innere Kälte bei äusserer brennender Hitze das
ganzen Körpers
- Beständiges Frösteln über und über
- Frösteln mit kalten Gliedern (secundär)
- Abwechselnd Frost- und Hitzeüberlaufen
- Häufiger Wechsel von glühender Hitze und
Kälteüberlaufen über den Rücken, letzteres
vorherrschend
- Atrop. regt die Herzthätigkeit an und bringt den Puls von
60 auf 140, dabei Hitzeüberlaufen, rothe, heisse Haut,
trockener Mund und Hals, mit Klopfen über und über; eine
Art erethisches Fieber mit allgemeiner Blutwallung (primär)
- Fieber mit murmelnden, unzusammenhängenden Delirien
- Typhöse Fieber
Gemüth:
- Innere Unruhe, Bangigkeit, grosse Angst
- Zeitweiliges Seufzen
- Hat kein Bleiben irgendwo, weder im Hause noch im Freien; geht
von einem Platze zum andern
- Mürrisch, zanksüchtig, reizbar
Sensorium:
- Schwindel, schlimmer beim Aufrichten vom Liegen
- Es wird ihm ganz finster vor den Augen, darauf Erbrechen von
Schleim und Galle mit Nachlas des Kopfschmerzes und der
Kopfeingenommenheit
- Schwindel beim plötzlichen Umdrehen des Kopfes
- Schwindel mit Taumeln und Unvermögen zu gehen
- Kopf duselig und wüst, wie nach nächtlichen
Schwärmen, durch Gehen im Freien sich verlierend
- Früh Abneigung gegen geistige Arbeit
- Eingenommenheit des Kopfes mit aufgeregter Phantasie wechselnd
- Abschweifende unzusammenhängende Sprache,
Gesichtstäuschungen, häufige Anfälle von wildem,
uncontrollirbarem Gelächter
- Intelligenzstörungen ohne Gehirnentzündung oder
Hyperaemie
- Ideenverwirrung
- Trunkenheit
- Hallucinationen des Gesichts und Gehörs
- Somnolenz
- Stupor
- Wüthende Delirien, besonders Nachts
- Stille, träumerische Delirien mit nervösem
Aufschrecken
- Murmeln und Lachen mit Schläfrigkeit
- Delirien mit Flockenlesen und anderen ähnlichen
Bewegungen der Hände und Finger
- Er unterhält sich mit imaginären Leuten
- In der Unterhaltung muss er in der Mitte eines Satzes anhalten
und fragen, von was er spricht
- Bildet sich ein, die Epilepsie zu haben
- Er hat die Kraft verloren, Entfernungen zu berechnen; er
reicht nach Gegenständen, die entfernt von ihm sind, und
fällt über andere, die er entfernt glaubt
- Behinderte Sprache
- Symptome, welche Meningitis simuliren
- Eine Hysterische verfiel ohne alle andern Erscheinungen
häufig kurz vor dem Einschlafen in sehr beängstigende
Visionen. Atrop. 4. 1 G. jeden Abend, heilte sofort. (Ztschr. des
Ver. D. hom. A. Oest. 1. 2. 31. Caspar)
- Ein mehrmals an Delir. tremens erkrankt gewesener Mann leidet
an Hallucinationen. Er bittet auf das Aengstlichste und
Inständigste einen grossen Herrn, ihn in
Berücksichtigung seiner misslichen Lage zu der sehr
einträglichen Stelle eines Kardinals zu verhelfen. Sein
Benehmen dabei ist sehr ceremoniös und ängstlich,
weshalb er auch jede Antwort auf meine ihm unehrerbietig
scheinenden Fragen verweigert. Atrop. 4 heilte in 24 Stunden
(Ebenda)
- Eine 40jähr., kräftige Trinkerin wurde, nach
theilweiser Beseitigung einen Magen- und Darmkatarrhs durch Nux
vom. und Ipec., sehr unruhig, hastig und zitternd in ihren
Bewegungen, begann zu deliriren, wobei sie auf komische und
unzüchtige Dinge hinzielende Worte ausstiess,
verschiedenartig klingende Dinge zu hören und glänzende
Heilige zu sehen glaubte, bald am Bette zupfte etc. Atrop. 6
besserte sogleich und heilte bald (Ebenda Pag. 230. Löw)
- Ein alter, genialer, graciler, lebhafter Mann leidet in Folge
ziemlicher Anstrengung an einer allmälig sich steigernden
Kränklichkeit, indem er eine immerwährende Abnahme der
Bewegungskraft und Gelenkigkeit seiner Glieder fühlt, sein
Gang unsicher und seine Haltung schwankend wird; geht
gebückt. Während einer Stuhlentleerung bewusstloses
Zusammensinken
- Schlagfluss. Nach mehreren hom. Mitteln geringe Besserung.
Plötzlich ein Recidiv. Kein Bewusstsein, vollständige
Lähmung der Glieder, unwillkürliche Harnentleerung,
vollständiges Koma, röchelnde Respiration, Puls hart,
voll, langsam; Augenlider ohne Bewegung; Mund verzogen;
Sprachvermögen aufgehoben; Augen stier und glotzend, Gesicht
von lividem Turgor überdeckt, Schlingen unmöglich; Op.
30; 2 Stunden später Hinzutritt von heftigen convulsivischen
Bewegungen, Zittern der Hände und tiefem Gähnen. Atrop.
6. besserte nach wenigen Minuten und heilte in einiger Zeit
völlig (Ebenda Pag. 230 Löw)
- Ein Knabe von 20 Monaten hat binnen 6 Monaten 2 heftige
katarrhalische Pneumon. gehabt; kürzlich Masern und gleich
darauf wieder Pneumon., nach deren Beseitigung der schmerzlose,
wässrige Durchfall, soporöse Zustand und grösste
Hinfälligkeit fortdauerte und sich eine Gehirnkrankheit
(Hydrocephaloid) entwickelte. Der Knabe schreit zuweilen in einem
Sopor laut auf, öffnet die meist geschlossenen Augen, sieht
wild umher, setzt sich auf und fällt gleich wieder auf sein
Lager zurück, sucht dem Kopfe eine tiefere Lage zu geben,
bohrt ihn tief in die Kissen und verfällt in tiefen Sopor.
Giebt man ihm eine höhere Lage, so schreit er auf und nimmt
die alte wieder ein. Nackenmuskeln nicht contrahirt, Kopf
anhaltend heiss, Unterleib noch mehr so. Vorher angesprochen
trinkt der Knabe gern und mit Hast. Puls 140; Respirat.
beschleunigt, laut und kurz; häufiger feuchter Husten. Stuhl
und Harn unwillkürlich, ersterer 12-15 mal in 24 Stunden.
Nachts grössere Unruhe. Die Glieder oft kühl. Die
Respirat. zeitweilig aussetzend mit Gliederzittern. Ars. 3, 1 st.
2 Tage lang, Bell. 3. und Zc. met. 3 im Wechsel 2 Tage lang
erfolglos. Atrop. 3., 1 Tr. aller 3 St.; schon nach 18 St.
allgemeine Besserung und nach 36 St. Rückkehr des
Bewusstseins und Beseitigung der Gehirnsymptome. Die völlige
Stimmlosigkeit, Schwäche und Durchfall machten nun anders
Mittel nöthig (Hirsch. N. Ztschr. 9. 90. Kafka)
- Wenn bei Hyperaemie des Gehirns, Meningitis acuta und
cerebrospinalis und Hydroceph. acutus Bellad. angezeigt ist, aber
nicht wirkt, so empfiehlt Kafka Atrop. zu geben
Kopfschmerzen:
- Gefühl von Vollheit in den Schläfen und der Stirn
mit Schwindel
- Gefühl, als ob das Gehirn in allen Richtungen
herausgedrückt würde
- Neuralgische Schmerzen von der linken Augenhöhle bis
hinter das Ohr
- Der Kopf wie eingeschraubt, im Freien, und das Gehen
verursacht das lebhafteste Stechen darin
- Stechende Schmerzen am Schädelgrunde, besonders über
den Augen bei jeder Bewegung und besonders beim Auftreten
- Unregelmässig periodisches, kurz dauerndes, sehr
empfindliches, über die Stirne und Schläfengegend
ziehendes Stechen
- Früh beim Aufwachen sehr empfindliches
- Oeffnen des linken Auges kaum erlaubend, beim Gehen im Freien
sich verlierend
- Klopfen und Schlagen der Carotiden
- Kopfschmerzen finden in Atrop. und Bell. oft ihr Heilmittel,
jedoch sind die Anzeigen sehr verschieden. Während Bell.
nicht selten congestive Kopfschmerzen, selbst im Laufe acuter
Krankheiten beseitigte oder milderte, erreichte ich dies nie mit
Atropin. Der Kopfschmerz, welchen Atropin heilte, war immer ein
selbständiger, in einer specifischen Aternation des Gehirns
selbst begründeter. Er ist meist sehr heftig, nimmt einen
grösseren Kopftheil ein und gesellt sich mit Schwächung,
Aufregung, Alienierung der Gehirn- und oft auch der
Sinnesthätigkeiten, mit allgemeiner Verstimmung des
Gemüthes u.s.f. Gewöhnlich entsteht und verschwindet er
plötzlich und hinterlässt oft vollkommen freie
Zwischenzeiten. Kälte und Wärme üben keinen
Einfluss auf ihn, Sinnes- oder Gemüthseintrücke hingegen
erweisen sich stets als steigernde Momente desselben. Keine oder
nur unbedeutende meist nur secundäre Mitleidenschaft des
Gefässsystems, daher nur mässige oder gar keine
Gesichtsröthe, Kopfhitze, Pulsbeschleunigung. Atropin heilt
selbst jahrelang bestandene Schmerzen
- Hysterische Kopfschmerzen, wie der Clavus, weichen wohl selten
dem Atrop., doch wurden sie mehrmals gemildert und verkürzt
- Einige Male blieb nach Typhus und andern schweren Krankheiten
heftiger Kopfschmerz zurück, der ebenfalls im Atrop. sein
Heilmittel fand. (2. Oestr. Ztschr. 1. 29. Caspar)
- Plötzlich oder allmählich (nach Vorboten) tritt ein
heftiger, stechender Schmerz an einer bestimmten Seite des Kopfes
ein, der die ganze Kopfhälfte, vorzüglich jedoch die
Schläfengegend oder den erhabenen Punkt des Seitenwandbeines
einnimmt und sich bis zur Unerträglichkeit steigert; ferner
grosse Angst und Unruhe, die sie nie ruhen lassen und die Kranken
oft zur Verzweiflung bringen; gänzliche Appetitlosigkeit,
eisiges Gefühl über den ganzen Körper, oft sogar
Zähneklappern, häufiges Gähnen und Seufzen,
später Uebelkeit und Erbrechen, worauf der Schmerz
nachzulassen beginnt oder Schlaf eintritt, aus dem der Kranke
gesund erwacht. (Allg. h. Ztg. 60. 45. Eidherr)
- Bei Hemikranie hält sich der Schmerz an eine typische
Form, indem er entweder morgens oder abends auftritt, 4-5 Stunden
heftig wüthet, dann entweder plötzlich schwindet oder
viel an seiner Heftigkeit verliert, um am folgenden Tag mit
gleicher Heftigkeit aufzutreten. Er nimmt gewöhnlich nur eine
Seite ein, geht zuweilen auch auf die andere über, wobei der
Schmerz an der früher ergriffenen Seite sich mindert oder
ganz nachlässt. Der heftigste Schmerz wird in den
Schläfen empfunden, von wo er radenförmig nach allen
Richtungen sich ausbreitet. Gewöhnlich ist das Auge der
leidenden Kopfhälfte sehr in Mitleidenschaft gezogen, die
Lider sind krampfhaft geschlossen und die heisse Thränen
fluthen fortwährend aus dem Auge. Der Schmerz selbst ist
nicht ein dumpfe, sondern ein lebhaft stechender, der in kurzen
Pausen wiederkehrt. Während der Anfälle kein Appetit,
ausser denselben vermindert; Puls gewöhnlich
unverändert. Erbrechen, meist nur zu Ende des Anfalls. Dabei
fühlen die Kranken bei innerer Wärme eine unangenehme
äussere Kälte, so dass sie sich fortwährend unter
der Decke zu verbergen suchen. (Allg. h. Ztg. 60. 180. Eidherr.)
- Nach heftigem Nervenfieber ein äusserst heftiger, alle
Sinne betäubender Kopfschmerz, Gefühl allgemeiner
Ohnmächtigkeit und gänzlicher Schlaflosigkeit; Bell.
erfolglos. Atrop. 4. half sofort (2. Oestr. Ztschr. 1. 29 Caspar.)
- Eine 32jährige Frau hat sehr häufige Anfälle
von Kopschmerz; sie liegt apathisch im Bette; matte, stiere Augen;
die Antworten langsam und kurz; erinnert sich mit Mühe auf
die Ihrigen.
- Drückender Schmerz im ganzen Vorderkopfe, manchmal gegen
das Hinterhaupt hin ausstrahlend, zuweilen mit heftigen Stichen
von einer Seite zur andern; zuweilen Gefühl, als wäre
das Gehirn in drehender Bewegung; häufig Ohrensausen,
Schwindel; stets zunehmende Trübsichtigkeit; Gegenstände
erscheinen als flimmernde Schatten. Viele Mittel, auch Bell.
erfolglos. Atrop. 3. half sogleich. (Ebenda 29)
- Einen 42jährige Frau hat seit 4 Jahren nach Typhus
Anfälle von heftig stechendem Schmerz in der linken
Kopfhälfte; während derselben ist sie sehr angegriffen,
aufgeregt, unruhig; grosse Angst, kalter Schauder im Rücken;
Aufstossen, Brechneigung; Schlaflosigkeit; Durst; häufiger
Harndrang, wasserheller Harn. Atrop.4. besserte sogleich. (Allg.
h. Zth. 60. 45 Eidherr.)
- Eine 31jährige Frau hat seit einigen Jahren periodisch
heftiges Stechen in der rechten Schläfengegend von Abends bis
früh. Atrop. 4 half sogleich (Ebenda)
- Eine 25jährige Frau hat seit 7 Monaten sehr heftig
stechende, zuweilen wühlend bohrende Schmerzen in der linken
Schläfengegend, periodisch. Atrop. 4 heilte schnell (Ebenda)
- Eine 36jähirge Frau hat seit 13 Jahren Migräne; vor
jedem Anfalle Zuckungen der Unterglieder, nachher schwer zu
unterdrückendes Zittern der Glieder. Ign., Nx., Cupr., Ver.,
Cocc., Rhus erfolglos. Atrop. 4 heilte in sehr kurzer Zeit.
(Ebenda)
- Eine 24 jährige Frau hat seit 2 Jahren periodischen
Kopfschmerz nur von 8-12 Uhr vormittags; heftige,
blitzähnliche Stiche in der Schläfe mit durchdringenden
Stichen durch die Schläfen- und Scheitelgegend; Zucken das
oberen Augenlides, Abfluss heisser Thränen; äussere
Kälte, innere Hitze und Unruhe. Ignt. erfolglos; Atrop. 4
besserte sehr bedeutend schon den nächsten Anfall. (Allg. h.
Ztg. 60. 180 Eidherr.)
- Ein 18jähriges, nervöses Mädchen hat
unregelmässig periodische Anfälle von linksseitigem
Kopfschmerz; derselbe fängt hinter dem linken Ohre an und
erstreckt sich blitzartig in dasselbe, zum Hinterhaupte und in die
Schläfengegend; mässig beginnend und plötzlich
nachlassend; in dem Masse als der Schmerz heftiger wird, steigert
sich die Röthe der linken Gesichtshälfte, bis endlich
mit dem Auftreten einer bläulichen Färbung ein
krampfhaftes Zucken der linksseitigen Gesichtmuskeln sichtbar
wurde; schlimmer bei Berührung. Bell., Chin., Ars., Calc.,
Ign. erfolglos. Atrop. 16. heilte in 3 Tagen. (Allg. Ztg. 61. 47.
Kraizel.)
- Ein 40 jähriger, kräftiger Mann hat seit mehreren
Jahren nach Typhus heftigen Kopfschmerz an einer thalergrossen
Stelle über dem linken Augenbrauenbogen; der Schmerz bohrend,
wie von einem eingeschlagenen Nagel, fast wahnsinnig machend; die
Stelle bei Berührung sehr empfindlich; das Gesicht dabei
etwas geröthet, Ignat. half vorübergehend. Atrp. 4.
heilte in 10 Tagen. (Hirsch. N. Ztschr. 4, 149. Eidherr.)
Augen:
- Congestion in den Augen und an den Lidern.
- Tiefsitzender, dumpfer Schmerz im hintern Theile das
Auges
- Helle Blitze vor den Augen beim Schliessen derselben
- Helle Lichterscheinungen, Flecke und Sterne vor den Augen
- Beim Lesen ist ein heller Schein um die Buchstaben
- Lichtscheu (Selten)
- Undeutliches Sehen, kann nicht lesen noch einen Faden
einfädeln
- Kann blos einige Augenblicke deutlich lesen, dann laufen die
Worte zusammen und werden undeutlich
- Blindheit
- Die Worte scheinen sich beim Lesen zusammenzuziehen und zu
erweitern mit der Herzbewegung
- Doppeltsehen
- Beim Schliessen der Augen sieht er alle Arten Gestalten und
unangenehme Gegenstände
- Bunte Gestalten vor den Augen
- Alle Gegenstände scheinen von unten nach oben in die
Länge gezogen zu sein; die Gesichter, Ohren etc. sehen
länger aus, runde Gegenstände oval
- Alle Gegenstände erscheinen grösser und haben einen
rothen Schein
- Alles sieht gelb aus
- Erweiterte Pupillen; Beweglichkeit der Iris sehr träge
- Er kann die Entfernungen nicht abmessen; die Augen starr und
gläsern
- Schmerz in den Augen; dumpf oder heftig, schlimmer bei jedem
Herzschlage
- Neuralgie der Augen
- Trockenheit der Conjunctiva
- Spasmodisches Blinzeln
- Obgleich Bell. Unübertreffliches gegen krankhafte
Erregung und Lichtscheu leistet, so ist Atrop. doch nur von
untergeordnetem Werhe; in 12-13 Fällen half es nur einmal bei
einem skrophulösen Kranken; über seine Anwendung in
nervöser Lichtscheu habe ich keine Erfahrung (2. Oestr.
Ztschr. 1. 2. 35. Caspar)
- Ein gesundes, 10jähriges Mädchen hat seit mehreren
Wochen Abnahme der Sehkraft des rechten Auges bemerkt. Pupille
sehr erweitert, sehr träge reagirend. Sehkraft ganz
erloschen, kann nicht Tag von Nacht unterscheiden. Das andere Auge
gesund.
Atropin 3, 4mal täglich, heilt in 3 Wochen. (Hirsch. N.
Ztschr. 6. 119. Battmann)
- Heftiger Blepharospasmus und Reizbarkeit des Auges bei
Hornhautgeschwüren (äusserlich 0,06
Atrop. auf 25,00 aq.)
- Die Atropinconjunctivitis entsteht in Folge zu häufigen
äusserlichen Gebrauches von Atropin und besteht nach
Gräfe in einer einfachen entzündlichen
Schleimhautschwellung mit schleimig eitriger Secretion, die oft
mit Schwellung der Conjunctivalfollikel, zuweilen mit geringer
Schwellung, aber starker Hyperaemie und Thränenabsonderung
verläuft. Oft ist Röthung und Excoriation der
äusseren Lidhaut damit verbunden. Bei manchen Leuten
verursacht die Einträufelung heftige Schmerzen und
Thränen, selbst acute erysipelatöse Entzündung der
Conjunctiva mit starker Schwellung derselben und der Lider;
späterhin auch Amblyopie, Diplopie und Chromopsie. (Allg. h.
Ztg. 86. 78)
Ohren:
- Periodisches Ohrenklingen
Nase:
- Röthe und Hitze der Nase
- Grosse Trockenheit der Nasenschleimhaut
Angesicht:
- Dunkelrohtes, livides, aufgedunsenes Gesicht mit brennender
Hitze in demselben
- Atrop. in 2 Fällen von Gesichtsschmerz; einmal bei erst
8täg. Dauer, durch Erkältung entstanden;
vollständige Heilung nach 8 tägiger innerer Behandlung;
0,06 auf 22,00 aq. dest. Und davon 3 Tropfen
in 75,00 Brunnenwasser,
- Das andere Mal wurde Atropin nach vergeblicher innerlicher
Anwendung endermatisch auf die durch das Baunscheidtsche
Instrument mit zahlreichen kleinen Stichwunden versehene
schmerzhafte Wange applicirt. Nach einem leichten, dadurch
veanlassten Erysipel trat nach 3 Tagen vollständige Heilung
ein (Allg. h. Ztg. 58. 48 Scholz)
- Einer 26jährigen Frau trieb vor 3 Monaten beim Fahren der
Wind den Schnee in die rechte Gesichtshälfte, worauf sehr bad
ziehender Schmerz in der rechten Gesichts-, Kopf- und Nackengegend
auftrat; 2 Tage darauf Erysipelas in der rechten Gesichtsseite, 10
Tage anhaltend. Seitdem paroxysmenartiger Schmerz nach der
geringsten Erkältung; jetzt ist derselbe intermittirend,
Wochen lang anhaltend, dem sich zeitweilig heftig lancinirende,
blitzähnlich in verschiedener Richtung hinfahrende Schmerzen
beigesellen, von Minuten bis Stunden langer Dauer. Dieser Schmerz
hat das Eigenthümliche, dass er variirend an verschiedenen
Stellen der Ausbreitung des Nerv. trigem. wüthet, die
Berührung nicht verträgt, durch Irritation zuweilen ein
Stechen zwischen beiden Schulterblättern erzeugt,
Mitempfindungen, wie Ohrensausen, an der erkrankten Seite erregt
und, was am häufigsten vorkommt, Reflexbewegungen erzeugt,
die in einem krampfhaften Schliessen der Lider und Zuckungen der
Gesichtsmuskeln der leidenden Seite bestehen; jetzt blos bohrender
Schmerz in der obern rechten Zahnreihe. Gesicht daselbst etwas
geröthet und heiss; Zahnfleisch druckempfindlich.
Menstruation stark und lange. Während des Anfalles
grösste Unruhe und Aufgeregtheit, Durst, Athem und Puls
beschleunigt. Der Schmerz blitzt häufig auf. Staph. und Ign.
erfolglos. Atrop. besserte sofort und heilte in 5 Tagen. (Allg. h.
Ztg. 62. 169. Eidherr)
- Ein 37jähr., brünetter, magerer Mann hat seit 2
Jahren Anfälle von Gesichtsschmerz. Seit 3 Tagen jeden Morgen
bald nach dem Frühstücke kommen unter Schauder und
Kaltwerden der Hände dumpfe betäubende Schmerzen im
rechten Auge und der angrenzenden Stirnpartie, die allmählich
immer ärger und schärfer werden, zu Mittag, wo bei jedem
Pulsschlage heftige, blitzartige Stiche aus dem Auge in die Stirne
fahren, ihren Höhepunkt erreichen und entweder Nachmittags
binnen weniger Stunden verschwinden, oder bedeutend ermässigt
und gegen den Nacken ausstrahlend bis Abend dauern. Dabei
Eingenommenheit und Schwere des Kopfes; Schläfrigkeit ohne
schlafen zu können; Röthe, Thränen und erweiterte
Pupille des rechten Auges; Klopfen der Schläfearterie und
Zuckungen der Augenlider und Wange der rechten Seite. Der rechte
Stirnnerv in und ausser den Anfällen druckempfindliche. Keine
Spur von Fieber. Auf- und Abgehen und Bedecken des Gesichts mit
einem Tuche erleichtert. Kann er einschlafen, so wacht er
schmerzensfrei auf. (Hirsch. N. Ztsch. 10. 189. Szontagh)
Zähne und Mund:
- Die Zähne fühlen sich stumpf
- Kaumuskeln rigid
- Ausserordentliche Trockenheit des ganzen Mundes und Halses,
nervöser, nicht gastrischer Natur; nachher Absonderung eines
klebrigen, sauern, eigenthümlich stinkenden und Uebelkeit
erregenden Schleimes
- Die Mundschleimhaut dunkel und gefleckt
- Der Mund schmutzig und klebrig und die Zunge mit einem
klebrigen, weissen Ueberzuge bedeckt
- Rauchen erzeugt keine Speichelabsonderung
- Mercurieller Speichelfluss
- Gefühlsverlust an der Schleimhaut der Backen
- Zunge trocken, mit rother Spitze und Rändern
- Zunge klebrig und weiss belegt
- Kann die Zunge nicht im Munde herum bewegen
- Schwierigkeit die Zunge vorzustrecken
- Die Zunge fühlt sich dick; er kann nicht deutlich
aussprechen
- Behinderung der Sprache
- Trockne, aufgesprungene Zunge im Typhus
- Paralytische Symptome der Zunge
Hals:
- Trockenheit des Rachens, welche das Schlingen fast
unmöglich macht
- Stetes Würgen im Halse; gänzliches Unvermögen
zu schlingen; wie an der Kehle gepackt
- Kann blos flüssige, keine festen Speisen verschlucken
- Muss die festen Speisen mit Flüssigkeiten herunterwaschen
- Kein natürliches Gefühl beim Trinken; das Wasser
scheint die Schleimhaut nicht zu berühren
- Die Schleimhaut des Halses fühlt sich roh und gereizt;
sie sieht gefleckt und dunkler als gewöhnlich aus
- Bei Entzündung der Rachen- und Halsgebilde wandte ich
Atrop. sehr häufig an, musste aber immer wieder zur Bell.
greifen; hingegen beobachtete ich mehrmals sowohl nach
katarrhalischen als phlegmonösen Zuständen dieser
Partien das Fortbestehen von Reizbarkeit, Schlingerschwerung,
Austrocknung, Zusammenschnürung, Kitzel, etc.; hier war Bell.
ohne Erfolg, Atrop. aber sehr wirksam. (2. Oestr. Ztschr. 1. 2.
35. Caspar)
Appetit bis Magen:
- Pappiger Mundgeschmack
- Verlust des Geschmackes; Nichts schmeckt natürlich
- Alles schmeckt salzig
- Appetitverlust
- Kein Appetit; theilweise wegen der Trockenheit des Mundes und
Halses, welche ihn nöthigt, alle festen Speisen hinunter zu
wachen
- Abneigung gegen Fleisch und Bier; Verlangen auf Gesalzenes
- Trotz Hungergefühl nicht recht Appetit; baldige
Sättigen; die Speissen geschmacklos
- Beständiges Hungergefühl; je öfter er ass,
desto stärker trat das Hungergefühl hervor
- Durst sehr vermehrt
- Luftaufstossen ohne Brechneigung
- Uebelkeit wegen des widerwärtigen, klebrigen
Mundschleimes
- Aufstossen mit Geschmack nach Eidotter
- Brechneigung
- Ergiebiges Speiseerbrechen nach dem Mittagsessen
- Chronisches Erbrechen
- Leichtes Erbrechen anfangs bitterer, nachher geschmackloser
Flüssigkeit
- Profuses Erbrechen, Nachts aus dem Bette treibend
- Leerheitsgefühl und schmerzhaftes Drücken im Magen
nach Biergenuss, verschlimmert durch Gehen; das
Leerheitsgefühl durch Essen nicht gebessert
- Ein 19jähriges Mädchen hat seit 4 Jahren (seit dem
Eintritte ihrer Menses) heftigen, unregelmässig periodischen
Magenkrampf. Die Kranke stöhnend zusammengekrümmt,
Gesicht blass, Augen eingesunken, Züge schmerzhaft verzerrt,
Athem kurz, Magengegend etwas aufgetrieben, druckempfindlich,
Glieder zitternd, Puls klein, nicht genau zu unterscheiden. Der
Schmerz zusammenschnürend, manchmal gegen die Brust
aufsteigend und selbst den Hals zusammenschnürend;
plötzlich anfallweise auftretend und ebenso verschwindend,
worauf ausser Magendruck, Mattigkeit und Taumeligkeit nichts
Anders verspürt wird. Der Gesamtanfall besteht aus einer
Reihe von bald kürzer, bald länger dauernden
Exacerbationen, alle 3-4, höchstens 10 Minuten,
wiederkehrend. Atrop. 3., 2 st. half sofort. (2. Oestr. Ztsch. 1.
2. 38. Caspar.)
- Ein 20jähriger Mann ist seit 4 Jahren magenkrank
(Geschwür), in Folge dessen leichenblass und sehr abgemagert.
Er erbricht jedwede Speise und Getränk, das er zu sich nimmt.
Unmittelbar nach jedem Essen Druck und Schmerz in der Magengegend,
verbunden mit häufigem, saurem Aufstossen, Brechwürgen
und bald darauf erfolgendem Erbrechen des Genossenen, welches so
sauer ist, dass die Zähne davon stumpf werden. Zunge dick
belegt, Appetit oft sehr lebhaft, oft gänzlich fehlend; Durst
nach dem Erbrechen etwas erhöht. Stuhl alle 2-3 Tage. Die
Glieder immer kalt, sehr mager, schwach. Schlaf wegen
häufiger, heftiger Magenschmerzen, besonders beim Umwenden im
Bette, sehr gestört. Puls 80-88. In der Pylorusgegend, knapp
über dem Nabel gegen die rechte Seite hin, eine beinahe
faustgrosse, ziemlich resistente Geschwulst, sich nicht ganz eben
anfühlend, gegen Berührung äusserst empfindlich,
beweglich und leicht verschiebbar. Leerer Percussionston daselbst.
Nux half vorübergehend. Atrop., 1 gr. auf 2 dr. Alkohol, 2mal
täglich 1 Tr. besserte sofort und heilte in 10 Wochen. Von
der Geschwulst nur noch eine geringe Spur. (Allg. h. Ztg. 52. 179.
Kafka)
- Ein 40jähriges Fräulein leidet an
Magenhyperaesthesie nach Gram und Sorgen. Nach jedem Essen Druck
und Kneipen im Magen; Würgen und bald darauf Erbrechen des
Genossenen, darnach ist sie grösstentheils schmerzfrei, bis
sie wieder Nahrung nimmt. Das Erbrochene nicht sauer, nur Speisen
und etwas Galle. Aussehen gut. Magen druckempfindlich. Ign., Nx.,
Bell. erfolglos; Atropin, wie im vorhergehenden Falle, heilte in 5
Monaten. (Ebenda)
- Ein 29järiges Mädchen hat Anfälle von
Magenkrampf; 2 Tage vor dem Eintritte der Menses der tägliche
Anfall viel in- und extensiver als je, während der Menses
keiner, nach denselben wieder Anfälle. Nx., Cupr. erfolglos;
Coccul. palliativ; Atrop. 4., 4 gr. täglich 3mal, heilte.
(Allg. h. Ztg. 62. 165. Eidherr.)
- Ein 23jähriges, bleichsüchtiges Mädchen hat
seit 4 Monaten fast täglich, besonders nach dem Mittagsmahle
einen zusammenschnürenden Schmerz im Magen, der jedes Mal mit
Erbbrechen endet; der Anfall dauert 1-2 Stunden; Magengegend etwas
aufgetrieben, druckempfindlich; Appetit vermindert. Cocc., Ars.,
Nux erfolglos. Atropin heilte sofort. (Allg. h. Ztg. 60. 54.
Eidherr)
- Ein 40jähriger, leidend aussehender Mann hat seit vielen
Jahren ein bis zwei Stunden vor den Mahlzeiten ein heftiges
Schwächegefühl im Magen, nicht täglich sich gleich
bleibend und durch Essen gebessert. Wenn er nicht sogleich isst,
so tritt Uebelkeit und Erbrechen von bitterem, saurerem Schleime
auf; darnach Erleichterung. Schmerzhaftigkeit des Magens, zuweilen
so heftig, dass nicht der geringste Druck vertragen wird. Nicht
viel Appetit. Verdauung und Stuhl gut. Keine Geschwulst im Magen.
Chelid. und Chin. halfen anfangs. Atrop. 3 half auch nur anfangs;
Atrop. 2. heilte schnell. Ein Rückfall einige Monate
später wurde ebenfalls durch Atrop. 2. schnell beseitigt.
(Magengeschwür?). (Amer. Journ. of Hom. Mat. Med. 6. 87.
Oehme)
Hypochondrie und Bauch:
- Heftige, stechende Schmerzen in der Nabelgegend während
des Erbrechens Nachts
- Spasmodische und neuralgische Kolik
- Gallenstein
- Ein 24jähriger, lebhafter, ausschweifender Mann hat seit
längerer Zeit Pancreasleiden: Appetit sehr gering, jedoch
gelegentlich Hunger. Zunge wenig belegt, Geschmack schlecht. In
der Gegend unmittelbar unter dem Magen, von der Mitte des
Körpers nach links hin, auch an der entsprechenden Stelle im
Rücken werden weniger heftige als unleidliche, nicht
näher beschreibbare Schmerzen gefühlt; diese exacerbiren
etwa 5-6 Stunden nach dem Genusse fester Speisen und sind von
Erbrechen einer röthlichen, Fleischwasser ähnlichen
Flüssigkeit begleitet; in derselben viel Schleim und nur dann
Speisen, wenn seit den letzten, dem Erbrechen vorhergehenden 5
Stunden etwas Festes genossen war; nur einmal enthielt das
Erbrochene etwas Blut. Selten geht Uebelkeit voraus, sondern das
Erbrechen kommt nach einer kurzen Exacerbation der Schmerzen ganz
plötzlich, oft ausserordentlich heftig, doch folgte niemals
Würgen, und meistens legten sich die Schmerzen darnach
bedeutend. Etwas tiefer Druck in der oben bezeichneten Gegend ist
sehr empfindlich, doch keine Geschwulst zu fühlen. Etwas
Kopfschmerz, sehr grosse Mattigkeit; die Nächte sehr unruhig
des Erbrechens wegen nur gegen Morgen Schlaf. Grosse Angst und
Verzagtheit; ganz unbedeutende Fiebererscheinungen. Gelegentlich
Durchfall mit festem Stuhlgange wechselnd. Das Aussehen leidend
ohne grosse Blässe. Seit der letzten Woche grosse Abmagerung.
Nux., Cupr., Jod., Verat., Ars erfolglos. Atrop. 3., 4 st.,
besserte sofort und heilte in
17 Tagen. (Hirsch. N. Ztschr. 2. 139 Bähr.) Ein
ähnlicher Fall bei einem Landmädchen wurde ebenfalls
durch Atrop. geheilt. (Ebenda)
Stuhl und After:
- Durchfall, um Mitternacht aus dem Bette treibend; mit heftigem
Drange
- Reichliche, wässrige Stühle, stromweise, mit
Nachlass der Schmerzen in der Nabelgegend
- Träger Stuhl
- Stuhlverstopfung (geheilt durch kleine allopathische
Gaben)
- Lähmung des Sphincter ani
Harnorgan:
- Harn hell, selten,, sparsam, mit Drang, in einem dünnen
Strahle
- Zu viel Harnsäure im Harn
- Harnstoff und Phosphate vermehrt
- Profuses und häufiges Harnen
- Harnverhaltung
- Heftiges, unwiderstehliches, fruchtloses Verlangen zu
harnen, mit äusserst schmerzhaftem Tenesmus
- Lähmung des Sphincter der Blase
- Nierenkolik
- Dysurie
- Wassersucht nach Morbus Brighti
- Chronische Albuminurie
Männliche und weibliche Theile:
- Neuralgie der Hoden mit grosser Druckempfindlichkeit
- Reizbarkeit des Uterus
- Neuralgische, paroxysmusartige Uteruskolik
- Neuralgie der Ovarien
- Vaginismus, eine krampfhafte Erkrankung der Vagina,
wahrscheinlich neuralgischer Natur
- Hyperaesthesie der Vagina und des Cervix Uteri
Luftröhre und Athem:
- Die Trockenheit im Larynx veranlasst eine beständige
Neigung zu husten
- Trockner, häufiger, periodischer Husten mit Wundhusten
- Trockner, häufiger, periodischer Husten mit
Wundheitsgefühl im Halse und Druck auf der Brust; veranlasst
durch Sprechen oder Tabakrauch
- Zäher Schleim im Larynx veranlasst alle 15-20 Minuten
sehr heftige Hustenanfälle, dabei schwieriger Auswurf dicken,
zähen Schleimes, nachher Berennen im Larynx
- Spasmodischer Husten Erwachsener nach Influenza
- Heftige, erstickende Zusammenschnürung der Brust
- Gefühl von Hitze in den Lungen
- Puls schwach und die Herzthätigkeit kaum bemerkbar
- Puls steigt von 60 auf 140, aber keine Beschleunigen der
Respiration
- Gefühl von Flattern in der Herzgegend
- Heftiges Herzklopfen
- Spasmodisches Asthma
- Nervöses Herzklopfen mit rothem Gesicht und Klopfen
der Carotiden
- Nächtliches Herzklopfen mit Schwäche und
Unbehagen
- Eine Dame litt nach einem heftigen Kehlkopfkatarrah durch etwa
9-10 Tage an einer so gesteigerten Reizbarkeit, dass jede
Temperaturveränderung, Tiefathmen, Sprechen etc, zu den
heftigsten Hustenexplosionen führten, die nicht selten mit
Brechreiz und Erbrechen endeten. Nux, Bell. erfolglos. Atrop.
besserte schnell und heilte in 1 Tage. (2. Oestr. Ztschr. 1. 2.
35. Caspar)
- Krampfhafte Erkrankungen der Athmungsorgane scheinen mir mehr
im Bereiche des Atrop. zu liegen, als in dem irgend eines andern
Mittels. Während ich durch Bell., Drosera, Dulcam., Hyosc.
etc. nur selten eine Besserung, nie aber eine Heilung oder irgend
eine bedeutende Abkürzung erzielte, konnte ich auf Atrop. mit
Sicherheit zählen, denn bei 23 Erkrankungen an Keuchhusten
bleib seine Anwendung nur 6mal erfolglos, obgleich auch hier
Besserung nicht zu verkennen war. Ein skrophulöses,
wasserköpfiges Kind starb nach Hinzutritt einer Pneumonie.
Die übrigen 17 Fälle hatten verschieden lang gedauert,
einer schon 3 Monate, 4 über 6 Wochen; mehrere derselben
wurden früher allopathisch oder mit Hausmitteln, alle aber
durch wenigstens 8 Tage mit Bell. behandelt. Die Besserung mit
Atrop. trat immer schnell ein, die Heilung in 2 Fällen schon
in 3-4 Tagen; in andern nach 8-10 Tagen, und nur einmal bedurfte
es etwa 18 Tage bis zum völligen Verschwinden der krankhaften
Erscheinungen. In einem Falle war die Husten- und Brechanstrengung
so heftig, dass Blutung aus Mund, Nase und Ohr eintrat und die
Albuginea blutig unterlaufen war, und doch reichten 7 Tage hin,
den Krampf zu beseitigen. Die Wirkung des Atrop. beschränkt
sich hier blos auf die Innervation; nur der Krampf wird beseitigt,
die katarrhalische Affection bleibt noch einige Tage zurück,
verschwindet jedoch meist von selbst; es erweist sich daher
hülfreich, nicht im ersten, sondern im zweiten Stadium, zumal
wenn die Krankheit erst kürzlich in dasselbe eingetreten. (2.
Oestr. Ztschr. 1. 2. 36. Caspar.)
- Atrop. leistete mir im 2. Stadium (Krampfstadium)
Vortreffliches, dagegen nichts im 1. und 3. Stadium; unter 14 mit
Atropin 4-6. behandelten Kindern hatte ich nur 6mal nöthig,
andere Mittel (Ars., Ip., Lact.) zu geben. Die übrigen 8
Fälle waren solche, wo häufiges Brechwürgen oder
Erbrechen, Gehirnaffectionen etc. fehlten, dagegen nicht selten
Blutungen aus der Nase und den Respirationsorganen, Blauwerden und
Erstickungsgefahr zugegen waren. (Hirsch. N. Ztschr. 4. 150.
Eidherr.)
- Ein 27jähriges Mädchen litt seit einem vor einem
Jahre überstandenen Typhus und Mensesstörungen an
Anfällen einer Art Glottiskrampf. Bei plötzlich
eintretender Bewusstlosigkeit hört das Athmen vollkommen auf,
das Zwerchfell scheint gespannt. Der Anfall dauert 1-2 Minuten und
endet mit einer tiefen, pfeifenden Inspiration und darauf
folgenden kurzen Hustenanfällen. Nach vielen erfolglosen
Mitteln Atrop. 1/50 gr. täglich
Heilung. (Allg. h. Ztg. 58. 29.)
- Ein 15jähriges, lebhaftes Mädchen litt an einer
eigenthümlichen Art von Kehlkopfkrampf. Wenn es auch nur beim
Sprechen in Eifer gerieth, so trat plötzlich Aphonie und
pfeifende Inspiration ein. Atrop. 3., 10 Tage lang erfolglos. Nach
Aussetzen der Arzenei Besserung und Heilung. (Allg. h. Ztg. 60.
176. Caspar.)
- Eine seit 10 Wochen bestandene Aphonie mit erhöhter
Reizbarkeit des Kehlkopfes beseitigte Atrop. nach etwa 8 Tagen.
Kataplasmen, Einreibungen von Crotonoel, Ekektric.,
Dampfbäder etc. vorher erfolglos. (2. Oestr. Ztschr. 1. 2.
35)
- Atrop. ist Eins der kräftigsten Mittel gegen Asthma bei
chron. Katarrhen, Emphysem, Tuberculose, veralteten Exsudaten und
Pleuraverwachsungen, wenn nicht heftige Reizungs- oder
Congestionszustände den Anfällen zu Grund liegen. (2.
Oestr. Ztschr. 1. 2. 36 Caspar.)
Rückenmark:
- Eine 25jährige, blonde Frau hat seit 5 Jahren eine
angebliche Magenkrankheit; geringe Abmagerung, gutes Aussehen.
Appetit gut, aber nach jedem Essen Uebelkeit, Magendrücken,
Brechwürgen mit anhaltendem, leerem Aufstossen, endlich
Speiseerbrechen (nicht sauer). Die Magengegend sehr
druckempfindlich; anhaltende brennende Schmerzen im Rücken,
unter dem Sternum und in der Magengegend. Die Gegend vom 6. Brust-
bis zum 3. Bauchwirbel so druckempfindlich, dass die Kranke blass
wurde, lang aufschrie, Uebelkeit, Aufstossen und Brechneigung
bekam. Spinalirritation. Bell. 2 besserte anfangs, dann
Stillstand. Atrop. 2., tägl. 2mal, heilte in 4 Wochen; auch
einen Rückfall 4 Wochen später. (Allg. h. Ztg. 52. 180
Kafka)
- Ein 21jähriges Mädchen, kräftig, schwach
menstruirend, leidet seit mehr als 6 Mon. öfters an
Contracturen der Oberglieder, bald mit, bald ohne Bewusstsein.
Seit 4 Tagen starke Kopfhitze, etwas Husten, Stechen im Nacken,
Appetit- und Schlaflosigkeit; die freie Beweglichkeit des Nackens
etwas beeinträchtigt; Bewegung und äusserer Druck
verschlimmern. Den nächsten Tag Nachmittags bald Aus-, bald
Einwärtsdrehen, bald derartiges Beugen des Vorderarmes, dass
die Hand das Achselgelenk oder die Schlüsselbeingegend
berührte. Dies dauerte 2 Stunden und trat jeden Nachmittag
auf. Puls dabei nicht beschleunigt. Bryon. 15 erfolglos. Atropin
3. besserte sogleich und hielte ein 5 Tagen. (Allg. h. Ztg. 60. 53
Eidherr)
- Ein 25järiges, blühendes Mädchen leidet seit 3
Tagen anfallsweise an einem reissenden Schmerz an beiden
Füssen, der längs der Unter- und Oberschenkel sich bis
ins Kreuz hinaufzieht. Dabei Zusammenschnürung in der Brust,
besonders in der Herzgegend. Die Anfälle dauern etwa 3
Minuten und wiederholen sich aller 5-15 Minuten. Die
Wirbelsäule ist in ihrer ganzen Länge von den
Brustwirbeln abwärts gegen Druck empfindlich, welcher
Brustbeklemmung, Herzklopfen, schneiden im Unterleibe und
dumpfschneidenden Schmerz in den Kniekehlen erregt. Ver., Nux,
Cupr., Rhus 3 Wochen lang erfolglos. Schmerzhaftes, krampfhaftes
Ziehen in den Untergliedern. Atrop. heilte in 3 Tagen. (Ebenda)
Glieder:
- Schmerzen in den Gliedern mit leichten convulsivischen
Zuckungen
- Zittern der Glieder
- Anaesthesie der Glieder: das Tastgefühl ist abgestumpft
und zuweilen ganz fehlend; Taubheit und Prickeln in den
Händen bis in die Fingerspitzen
- Zucken der Muskeln der Glieder
- Krämpfe der Glieder Nachts
- Kälte der Glieder
- Fühlt nicht, wenn die Hand einen Gegenstand berührt
- Beständiges Verlangen , die Hände zu schliessen und
zu öffnen
- Beim Trinken plötzlich Beugung des Armes, sodass Wasser
vergossen wurde
- Beim Auflesen einer Nadel Gefühl, als ob deren 5 oder 6
wären
- Kann nicht gehen, weil ihm die Füsse schwer sind
- Steifigkeit im linken Knie und Unterschenkel und in der
rechten grossen Zehe
- Fühlt keinen Boden unter seinen Füssen
- Wankender, taumelnder Gang
- Beim Gehen contrahirten sich die Flexoren plötzlich,
weshalb er hinfiel
Anmerkung:
Dieses Symptomenverzeichniss ist vom Uebersetzer ganz
besonders bereichert worden und enthält Alles, was sich in der
homoeop. Literatur über Atropin vorfindet
__________
Quelle:
EDWIN M. HALE´S NEUE AMERIKANISCHE HEILMITTEL; LEIPZIG, 1873