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Hale-Index- Calarbarbohne
Calabarbohne
Physostigma venenosum
Analoge Mittel: Agaric., Bellad., Gelsem., Solan.
Calab. und Atrop. sind gegenseitige Antidote, d. h. haben
entgegengesetzte nicht ähnliche Wirkung
Zubereitung: Tinctur der Bohne
Allgemeines:
- Vermehrte Absonderung, besonders der Schweisse, Speichel- und
Eingeweidedrüsen; zuweilen heftige Schweiss-, Speichelfluss
und Abführen
- Das Gift wirkt auf das Rückenmark, nicht Gehirn, und zwar
auf dessen vordern Theil, von dem die Bewegungsnerven entspringen,
und verringert, suspendirt oder tödtet seine Energie
- Daher sind die Muskeln der Glieder und die, welche das Athmen
vermitteln, am meisten ergriffen. Die Paralysis ist primär
und ihr Sitz stets in den gestreiften Muskeln. Die Willenskraft
ist da, aber die Schwierigkeit liegt in der Ausführung.
Unvermögen sich zu bewegen, obgleich er einen Versuch macht.
Die Paralysis hat ihren Grund nicht ausschliesslich in einer
Blutvergiftung, da zuerst die Unterglieder gelähmt werden,
dann die oberen, dann der Stamm und zuletzt der Hals. Die Muskeln
behalten ihr natürliches Vermögen sich zusammen zu
ziehen und ziehen sich auf direct angebrachten, künstlichen
Reiz noch zusammen. Der Paralysis gehen gewöhnlich Zuckungen
und Zittern der Muskeln voran und bei den niedern Thieren oft
Convulsionen.
- Wenn Bewegungen vorkommen, so sind sie zuweilen uncoordinirt;
dies ist blos nach gänzlichem Verluste des Willens
vorgekommen. Es hat sich zugetragen, dass sich die Lähmung
auf die ungestreiften Muskeln erstreckt hat; vielleicht in Folge
dass sich der giftige Einfluss auch auf den Sympathicus erstreckt
hat. Die Verrichtungen des Gehirns können gestört sein.
- Heftige Schmerzen, welche den Platz schnell wechseln
- Blieb der Schmerz auf kurze Zeit auf einem Platze, so wurde
die Stelle unangenehm schmerzhaft
- Chorea bei einem 14jährigen Knaben; die Krankheit
hatte mehrere Monate gedauert, Ferrum, Ars. und Zinc. erfolglos;
Calab. Tinct., 18 Tropfen täglich, heilte in 9 Wochen
- Die Tinctur heilte schnell Chorea bei einem 20jährigen
Mädchen
- Chorea der rechten Seite; die Zunge schien zu gross
- Traumatischer Tetanus, mehrere Fälle
- Epilepsieartige Convulsionen
- Paralyse der Muskeln
Sensorium:
- Zittern, Schwindel und Verlust der Bewegung in den GlIEdern _
Stunde nach dem Einnehmen
- Thödtliche Syncope nach Herzlähmung
- Dumm und schwindlig; Schwächegefühl über den
ganzen Körper, das Gehen erschwerend
- Gefühl von Elasticität; Verlangen beständig
sich zu bewegen und zu reden
- Stumpfheit des Geistes; Trägheit der
Gehirnthätigkeit
- Schwindel mit grosser Vollheit der Blutgefässe des
Gehirns
- Gehirncongestion mit epilepsieartigen Anfällen
- Cerebro-spinal-meningitis, allgemeine tetanische Starrheit,
der Kopf zurückgezogen, heftiger Kopfschmerz mit grosser
Hitze des Kopfes und geröthetem Gesichte, Erbrechen beim
Aufrichten, Athmen beschleunigt und unregelmässig, Puls 100,
Harn gering etc.
Augen:
- Calab. regt die Iris und musc. ciliar. zu Contractionen an
- Calab. verengert die Pupille, selbst wenn die Erweiterung
Folge äusserer Verletzung ist
- 5 Minuten nach der äusserlichen Anwendung ein
entschiedenes Gefühl von Bewegung in der Gegend des
Ciliarkörpers, als ob etwas darin kröche; es war noch 10
Minuten nachher vorhanden, dabei zeitweilig heftiger Schmerz
daselbst; ein Versuch mit beiden Augen zu lesen, verschlimmerte
sogleich den Schmerz, und die Schrift floss zusammen, als ob das
Accommadationsvermögen gestört sei. Die Schrift
erscheint mit dem rechten Auge kleiner als mit dem linken. Ich
konnte Jäger Nr. 17 bei 15 Fuss Entfernung sehen, aber nicht
mit gleichbleibender Genauigkeit; die Buchstaben waren bald
deutlich, bald nicht, als ob die Ciliarmuskeln unregelmässige
Zusammenziehungen machten
- Astigmatismus; die senkrechten Theile der Fensterrahmen wurden
bei einer Entfernung von 6-10 Fuss deutlich und bestimmt gesehen,
während die waagerechten Theile bei derselbe Entfernung etwas
getrübte Ränder hatten; diese Störung wurde durch
concave cylindrische Gläser von 14 Zoll Focus beseitigt.
- Die Pupille bis zur Grösse eines Nadelkopfes verengert,
blieb so 18 Stunden; während der nächsten 3 Tage
relaxirte die Iris allmälig und gewann ihre Beweglichkeit,
dabei machte es keinen Unterschied, ob das Licht auf das afficirte
oder das andere Auge schien. Mit der plötzlichen
Zusammenziehung der Iris trat eine plötzliche Dämmerung
vor den Augen ein; aber dieselbe wurde bald besser und verschwand
nach und nach, ehe die Pupille grösser wurde.
- Calab. äusserlich auf die Augen weitsichtiger Leute macht
das Gesicht temporär normal
- Kurzsichtigkeit normaler Augen
- Schmerz in den Augäpfeln, über den Augen und im
Kopfe
- Trübsichtigkeit
- Paralysis der circulären Fasern der Iris und der
Ciliarmuskeln; die Pupillenerweiterung und Gesichtstrübung
verschwindet
- Prolapsus der Iris nach bei Vereiterung der Cornea
- Profuser Thränenfluss
Angesicht:
- Hitze und Röthe des Gesichtes
Magen bis Stuhl:
- Gefühl als ob er einen zu grossen Bissen verschlungen
hätte; dies Gefühl wird nach und nach sehr schmerzhaft
- Brennender Hitze im Magen mit vielem Windaufstossen
- Dyspepsie mit heftigem Schmerz gleich nach dem Essen
- langjährige Stuhlverstopfung
- Prophylaktisch gegen septische Peritonitis nach operativer
Entfernung von Geschwülsten aus der Bauchhöhle oder nach
Kaiserschnitt
Luftröhre bis Kreuz:
- Husten, verschlimmert durch Sprechen
- Die Herzthätigkeit tumultuarisch und unregelmässig
- Die Herzthätigkeit schwach und unregelmässig
- In manchen Fällen fährt das Herz noch lange nach dem
Tode fort zu schlagen, bei Thieren
- Das Herz enthielt flüssiges Blut und Blutgerinnsel in
allen vier Höhlen, was auf Paralysis des Herzmuskels deutet,
bei Männern
- Gefühl von Hitze mit Schweiss vom 4. oder 5. Halswirbel
bis zum letzten Lendenwirbel
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Quelle:
EDWIN M. HALE´S NEUE AMERIKANISCHE HEILMITTEL; LEIPZIG, 1873
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[Anmerkung: Der die Wirkung hauptsächlich bestimmende
Inhaltsstoff der Calabarbohne ist Eserin.]