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Diese Arznei erscheint in Hale´s Arzneimittellehre als erstes Mittel und weicht in der Systematik seiner Darstellung auch von den anderen Arzneien ab. die Erklärungen dazu finden Sie im Text.


Carbolicum acidum

Ein großes Polychrest.

Uebersetzung einer Zusammenstellung der Sympt. aus dem Americ. Journ. of Homoeop. Mater. Medic. 6. 329, mit wesentlichen Zusätzen aus der homoeop. Literatur und eignen Erfahrung.

Die Carbolsäure wird zum Polychrest besonders durch folgende 3 Hauptwirkungen:

1.) Durch ihre, die Eiterbildung verhindernde Eigenschaft. Da durch diese die Eiterbildung geradezu unmöglich gemacht wird, so wird in Folge dessen der Verlauf vieler Krankheiten ganz wesentlich verändert und verbessert und die Heilung ausserordentlich beschleunigt. Nothwendiger Weise ist auch die Narbenbildung sehr befriedigend.

2.) Indem sie die Enden der Empfindungsnerven lähmt, wodurch alle schmerzhaften Empfindungen der Haut wie Brennen, Jucken u. s. f. in wenigen Minuten beseitigt werden.

3.) Indem sie alle thierischen und pflanzlichen Parasiten tödtet und alle Miasmen und ansteckenden Krankheitsstoffe zerstört, also die Weiterverbreitung vieler Krankheiten verhindert.

Wir wollen nun die hier einschlagenden Krankheiten erwähnen und zwar in zwei Gruppen eintheilen:

1.) Solche, in welchen die Carbolsäure als wirkliches Heilmittel gebraucht wird;

2.) Solche, in welchen sie mehr Palliativmittel, also in manchen Fällen von zweifelhaftem Werthe ist, folglich mit Vorsicht gebraucht werden sollte.

Zur ersten Gruppe gehören:

 

Da in allen obigen Krankheiten die äussere Anwendung der Säure zur Hauptsache der Behandlung wird, so wurde das Vorstehende dem Symptomenverzeichniss vorausgeschickt.

 

Symptomenverzeichniss

Anmerkung.

Symptome an mehr als einem Prüfer beobachtet sind gesperrt, an mehr als zweien kursiv, an mehr als dreien fett gedruckt. Geheilte Symptome sind in Blockbuchstaben fett gedruckt.

 

ALLGEMEINES:

Haut und Aeusseres:

Schlaf:

Fieber:

Gemüth:

Sensorium:

Kopfschmerzen:

Kopfbedeckungen:

Augen:

Ohren:

 

Nase:

Angesicht:

Mund:

Hals:

Appetit und Geschmack:

Gastritische Zufälle:

Magen:

Hypochondern:

Bauch:

 

 

 

Stuhl und After:

Harnorgane:

Männliche Theile:

Weibliche Theile:

Luftröhre und Husten:

Brust und Athem:

Nacken, Rücken und Kreuz:

Oberglieder:

Unterglieder:

 

Fußnoten:

1. Aufgrund der folgenden Fälle empfiehlt J. Kitchen (Amer. Journ. Of Hom. Mat. Ded. 6. 413) im Scharlach gleich vom Anfange an Carbol. acid. 1. innerlich, und bei Hautjucken Waschungen mit verdünnter Carbolsäure (1:100). (Warum nicht in allen Fällen täglich solche Waschungen?) -, wodurch die Krankheit coupirt werde. &endash;

Scharlach bei einem 10jährigen Mädchen, am 11ten Tag der Krankheit:

Puls 140; unruhig; theilweise delirirend; weisser Ring um den Mund, der übrige Theil des Gesichts kupferfarbig;; Augen blutig unterlaufen; Lippen, Mund und Zunge schwarz; Sordes; geschwürige Stellen an der Innenseite der Lippen und Backen. Athem ausserordentlich stinkend. Beim Schlingen von Flüssigkeiten Ausspritzen derselben aus Nase und Ohren, Haut trocken, heiss, abschälend, Harn stark gefärbt und gering Abdomen etwas tympanitisch. Alle Mittel erfolglos. Carb. Ac. 1., 1 Tr. 1-2 st., besserte sehr bedeutend in 12 Stunden.; in 3 Tagen das Kind ausser Gefahr.

Heftiger Scharlach mit Diphtheritis:

Pharynx und Tonsillen mit zähem, gelbem Exsudat bedeckt; der Hals äusserlich sehr geschwollen. Grosse Schwierigkeiten zu schlingen, die Flüssigkeiten kommen dabei aus der Nase. Harn sehr gefärbt und gering. Puls über 100. Haut trocken und sehr roth. Grosse Unruhe. Carb.acid. 1. Wie oben. Reconvalesc. in 5 Tagen. &endash;

In 2 Fällen von Scharlach wurde Carb. ac. 1. gleich vom Anfange an gereicht, wodurch die Krankheit coupirt wurde.-

Rouht berichtet (Medic. Invest. 3. 368) folgenden Fall:

Scharlach bei einem 12jährigen Mädchen;

Nach erfolgloser Anwendung von Ac., Bell. und Rhus am 4. Tage folgender Zustand: Schlaf unruhig mit halbgeschlossenen Augen; Zucken der Hände und Füsse; Aufschrecken aus dem Schlafe; delirirend, beständig redend; Aechzen; wirft sich von einer Seite auf die andere; Puls 160; Zunge dick belegt in der Mitte; Hals innerlich und äusserlich so entzündet, dass das Schlingen schwer und schmerzhaft ist und sogar das Athmen behindert. Nasenschleimhaut so geschwollen, dass sie durch den Mund athmen muss. Lippen trocken, aufgesprungen und sehr scherzhaft, so dass sie kaum den Mund öffnen kann. Mundgestank. Beide Tonsillen und die hintere Wand des Rachens dicht mit diphtheritischem Exsudate bedeckt. Harn wenig und roth. Durchfall stündlich. Der Ausschlag ist nicht gleichmässig über den Körper, sondern häufig unterbrochen und kupferfarbig. Miliaria über den ganzen Körper. Carb. acid. in niederer Verd., innerlich und zum Gurgeln, heilte langsam.

 

 

2. In beinahe 20 Fällen wurde nach der Operation, während die Wunde heilte, Carb. acid. innerlich gegeben. Keiner von diesen Fällen hatte einen Rückfall. G. D. Beebe, Med. Investig. 7. 554.

 

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Quelle:

EDWIN M. HALE´S NEUE AMERIKANISCHE HEILMITTEL; LEIPZIG, 1873