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Constantin Hering

schrieb zur Analyse der Anamnese bzw. zum Thema Bewertung der Symptome:

 

. . . Vom Anordnen dieser [in der Anamnese] gesammelten Zeichen hängt viel ab. Man kann die Zeichen wirklich anordnen, in dem man sie abschreibt oder nur in Gedanken. Zuerst muß man die wichtigen darunter als solche erkennen. Hierbei sind keineswegs die wichtigeren in pathologischer Hinsicht gemeint, die sind oft sehr dunkel und unbestimmt und schwer zu erkennen, und doch von großer Wichtigkeit für den Pathologen. Sie helfen wenig beim Wählen der Mittel. Sie können zwar die Klasse oder das Genus bestimmen, aber nicht die Spezies, lassen daher immer noch eine Menge Mittel zur Wahl offen.

Wenn man das ganze Krankheitsbild überblickt, so wird man sogleich manche Zeichen erkennen als solche, über die der Kranke besonders klagt, die er selbst hervorhebt, es läßt sich eine Stufenfolge denken, in der zuletzt solche Zeichen kommen, die er wenig beachtet. Wir wissen, daß der Pathologe oft ganz anders denken muß über die Wichtigkeit der Zeichen, in dem nicht selten bei ihm die untersten die obersten werden und er Zeichen, über die der Kranke sich am stärksten beschwert, gering zu achten hat, hingegen andere, dem Kranken unbedeutend scheinende Zeichen die größte Bedeutung haben.

Die Kunst des homöopathischen Arztes besteht nun darin, daß er diese beiden Anordnungen zwar benutzt, aber keiner ganz allein folgt, sondern an beide seinen Maßstab anlegt. Ihm sind solche Zeichen die wichtigsten, welche am stärksten charakterisiert sind, das heißt, bei denen er eine genaue Bestimmung des Orts oder der Art erhalten konnte, besonders aber auch der Bedingungen. Sind solche Zeichen, die sich in jeder Hinsicht genau bestimmen ließen, auch noch mit anderen in eigenthümlicher Verbindung, so werden sie einen noch höheren Rang haben. Gibt es mehrere solcher Zeichen, die durch obige Bestimmung auf gleiche Stufe kämen, so entscheidet unter ihnen die pathologische Wichtigkeit, oder die Wichtigkeit, die der Kranke ihnen nach seinen Gefühlen beimißt. Ganz besonders wichtig werden Zeichen, wo beides Letztere zusammentrifft, wie dies nicht selten der Fall ist. Wenn bei mehreren Zeichen dieselbe Bedingung vorkommt, dann wird solch eine Bedingung oder Verbindung oder Art durch dieses häufige Wiederkommen zu einem Zeichen vom ersten Range.

Hat man die Zeichen auf diese Weise nach ihrer Rangordnung erkannt, so muß man hiernach das Mittel wählen, welches dieselben Zeichen hat. Das Mittel muß diese Zeichen auch in denselben Verhältnissen des Ranges haben, und man muß auch überzeugt sein, daß kein anderes Mittel besser paßt.

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Constantin Hering in Stapf´s Archiv, 1838, Bd. 17, Heft 1, Seite 113 ff.

 

 

 

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